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Israel:"Dankbarkeit und Demut"

Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz wird Steinmeier als erster Bundespräsident eine Rede in Yad Vashem halten.

Bundespräsident Steinmeier in Israel

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trägt sich am Amtssitz des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin (r.) in das Gästebuch ein.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Es ist das größte diplomatische Ereignis in der Geschichte Israels: Delegationen aus 49 Ländern, darunter 41 Staats- und Regierungschefs sowie die Spitzen der EU-Institutionen, finden sich in Jerusalem zum Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz ein. Rund 10 000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Neben dem Gedenken an die von den Nazis ermordeten sechs Millionen Juden steht auch die Bekämpfung des Antisemitismus bei der zentralen Veranstaltung an diesem Donnerstag in Yad Vashem in Jerusalem im Mittelpunkt.

Frankreichs Präsident Macron geriet in Jerusalem mit israelischen Polizisten aneinander

Im Vorfeld gab es Streit darüber, wer bei diesem Welt-Holocaust-Forum sprechen darf. Die Veranstalter hatten die Vertreter der damaligen Alliierten und Deutschlands dazu eingeladen: die Präsidenten Russlands und Frankreichs, Wladimir Putin und Emmanuel Macron, US-Vizepräsident Mike Pence sowie den britischen Prinz Charles. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird als erstes deutsches Staatsoberhaupt in Yad Vashem eine Rede halten. Am Mittwoch traf sich Steinmeier mit Israels Präsident Reuven Rivlin und schrieb in das Gästebuch: "Mit Dankbarkeit und Demut ergreife ich die Hand, die meinem Land und mir mit der Einladung zum World-Holocaust-Forum als Zeichen der Versöhnung gereicht wird."

Danach trafen Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender 25 Holocaust-Überlebende bei der Organisation Amcha, die sich um deren psychosoziale Betreuung kümmert. Steinmeier sprach von "einer Ehre und einem Privileg", dass sie so offen mit ihm über ihre Geschichte gesprochen hätten. Es seien aber auch Erwartungen an Deutschland deutlich geworden. Die Holocaust-Überlebenden hätten ihn dringend gemahnt, "nicht nur zurückzuschauen auf die schreckliche Vergangenheit, sondern die Verantwortung im Heute zu erkennen" und gegen Antisemitismus entschlossen aufzutreten.

Beim Abendessen sagte Präsident Rivlin, er hoffe, von diesem Holocaust-Forum gehe die Botschaft aus, dass die Welt vereint sei im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Extremismus. Als Hinweis auf den Streit zwischen Polen und Russland wurde Rivlins Bemerkung gewertet, Politiker sollten sich um die Zukunft kümmern und die Beschäftigung mit der Vergangenheit Historikern überlassen.

Polens Präsident Andrzej Duda bleibt der Veranstaltung fern, weil ihm im Gegensatz zu Putin keine Redemöglichkeit eingeräumt wurde. Duda wirft Putin vor, er versuche, Polen eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu geben. Auch Litauen hatte gegen Putins Darstellung protestiert, Präsident Gitanas Nausėda sagte seine Reise nach Israel kurzfristig ab. Zwischen Israel sowie Polen und Litauen gibt es seit Monaten Auseinandersetzungen über die Rolle der Bevölkerung während der Nazizeit im Umgang mit Juden. Der Direktor der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywiński, sagte, die Hauptveranstaltung sollte am 27. Januar in Auschwitz und nicht in Israel stattfinden.

Frankreichs Präsident Macron geriet am Mittwoch bei einem Besuch in der Jerusalemer Altstadt mit israelischen Sicherheitskräften aneinander. "Jeder kennt die Regeln. Provokationen sind unnötig, ist das klar", rief er einem Polizisten zu, der die katholische St. Anna-Kirche betreten hatte. Die Basilika wurde Frankreich vom Osmanischen Reich 1856 geschenkt und gehört seither zum französischen Staatsgebiet.

© SZ vom 23.01.2020
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