Bundespräsident:Parkhotel statt Schloss Bellevue

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Bundespräsident: Die Standarte des Bundespräsidenten weht über Schloss Bellevue in Berlin.

Die Standarte des Bundespräsidenten weht über Schloss Bellevue in Berlin.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Frank-Walter Steinmeier verlegt seinen Amtssitz für ein Wochenende nach Thüringen.

Von Robert Roßmann, Berlin

Man tritt dem Parkhotel Altenburg nicht zu nahe, wenn man feststellt, dass es hierzulande bekanntere Unterkünfte gibt. Das Gründerzeit-Gebäude liegt zwar idyllisch am Großen Teich der Skat-Stadt - aber es liegt halt auch weitab der großen Touristenströme. An diesem Wochenende wird das Hotel trotzdem bundesweit Schlagzeilen machen, denn dann wird ausgerechnet dieses Haus im Osten Thüringens Amtssitz des Bundespräsidenten.

Am Samstag beginnt Frank-Walter Steinmeiers zweite Amtszeit. Er will sie nutzen, um stärker als bisher den direkten Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern zu suchen. Dazu möchte er in alle Regionen Deutschlands reisen und sich dabei viel Zeit nehmen, um "das Leben vor Ort kennenzulernen und zu verstehen".

Am Freitag fährt Steinmeier deshalb mit dem Zug nach Altenburg. Bis Sonntag will er bleiben. Und er wird im Parkhotel nicht nur Quartier nehmen, sondern es für die Zeit seines Aufenthalts zum Amtssitz erklären.

Normalerweise residiert Steinmeier im Berliner Schloss Bellevue. Dort weht dann auch die Standarte des Bundespräsidenten auf dem Dach - Zeichen dafür, dass das Schloss gerade der Amtssitz ist. In Bonn gibt es noch die Villa Hammerschmidt, bis 1994 Hauptsitz der Bundespräsidenten. Nun kommt, wenn auch nur temporär, das Parkhotel Altenburg dazu.

Auch die Standarte soll in Altenburg wehen

Durch die Erklärung zum Amtssitz darf Steinmeier im Parkhotel alles erledigen, was er sonst im Schloss Bellevue erledigt - zum Beispiel Gesetze unterschreiben. Im Hotel wird ihm deshalb ein provisorisches Amtszimmer eingerichtet. Und damit alles seine Richtigkeit hat, soll am Parkhotel auch die Standarte des Präsidenten wehen. Was allerdings zu einigen Schwierigkeiten geführt habe, denn am Hotel gebe es keine geeigneten Fahnenmasten, sagen sie im Präsidialamt.

"Ortszeit" heißen die Reisen, die Steinmeier jetzt in die ganze Bundesrepublik unternehmen will. Er werde dabei "auch spontane Begegnungen" suchen, heißt es in der Ankündigung. Denn der Präsident wolle "erfahren, was den Menschen Mut und Hoffnung macht - und was sie skeptisch gegenüber unserer Demokratie und ihren Institutionen werden lässt". Bei all diesen Reisen soll die jeweilige Unterkunft zum Amtssitz erklärt werden.

In Altenburg wird Steinmeier Kommunalpolitiker treffen. Er wird die Spielkartenfabrik und ein Theaterzelt besuchen. Er wird in einem Bürgerzentrum bei der Trommelprobe einer Samba-Gruppe zuhören. Und er wird fünf besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstkreuzen auszeichnen.

Aber warum geht die erste "Ortszeit" in die Skat-Stadt? Das liege nicht an speziellen Kartenspielkünsten des Bundespräsidenten, sagen sie im Schloss Bellevue. Steinmeier habe zwar "in seiner Jugend Skat gespielt, sich dann aber eher den Büchern zugewendet" und sei "kein ausgefuchster alter Skathase". Dass Altenburg ausgewählt wurde, liege vielmehr daran, dass die erste Reise nach Ostdeutschland gehen soll. Und daran, dass Steinmeier Oberbürgermeister André Neumann sehr schätze. Auch in Altenburg hatte es Proteste gegen Corona-Maßnahmen gegeben - und Neumann hatte sich mit großem persönlichen Einsatz darum bemüht, die Lage zu befrieden.

Es gab übrigens schon einmal einen Bundespräsidenten, der seinen Amtssitz in ein deutsches Hotel verlegt hat. Im November 2015 residierte Joachim Gauck zwei Tage im Hamburger Hotel Atlantic. Anlass war der Staatsakt zum Tod von Helmut Schmidt im Michel. Die Verlegung des Amtssitzes sollte eine besondere Respektsbezeugung für den gestorbenen Altkanzler sein.

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