Standorte der NSA in Deutschland Spionagetätigkeit im Schichtbetrieb

Von außen ist nicht viel zu sehen, außer ein paar Baracken und vielen Ablüftungsrohren - der Hauptteil der Anlage liegt offenbar unter der Erde. Gearbeitet wird in drei Schichten. Eine spezielle Geheimdienst-Brigade soll gleichzeitig für US-Regionalkommandos und für den Geheimdienst NSA Material besorgen. Die Ärmelabzeichen der Soldaten im Geheimauftrag zeigen eine Sphinx und einen stehenden Dolch. Die 1100 "Intelligence Professionals" und "Special Security Officers" sammeln nachrichtendienstliche Informationen und bereiten sie auf.

Andere Mitarbeiter sollen im "European Cryptology Center" arbeiten, das ebenfalls zum Dagger-Komplex gehört. Hier sollen Sicherheitsoffiziere in der Spionageabwehr tätig sein. Gearbeitet wird in drei Schichten. Was dort gemacht wird und wer wofür zuständig ist, lässt sich aus Anschaffungslisten und Stellenanzeigen ablesen: So wurde 2003 (als sich der Auszug der NSA aus Bad Aibling abzeichnete), die von der NSA gern verwendete Software Taclane für diesen Standort angeschafft.

Oder 2011: Damals wurden "Special Security Officer" für Darmstadt gesucht. Sie sollten für die Sicherheit sensibler Einrichtungen zuständig sein. Ein "Intelligence Specialist", der zwischen 50 287 und 65 371 Dollar Jahresgehalt haben sollte, musste "Kenntnisse und Erfahrungen mit der NSA" haben. Sonst wäre er ungeeignet.

Schon in den Achtzigern sollen die USA Leitungsnetze abgehört haben

Auf dem US-Stützpunkt Wiesbaden und mutmaßlich auch einer Mainzer Außenstelle ist eine Brigade tätig, die vor allem für die Verarbeitung und Analyse von Geheimdienstinformationen zuständig sein soll, wie es in amtlichen Papieren heißt. Diese Formel sagt alles und nichts. Angeblich soll die Brigade verstärkt werden. Die Darmstädter NSA-Station soll demnach schon bald nach Wiesbaden umziehen, wo derzeit für mehrere Millionen Dollar ein "Consolidated Intelligence Center" entstehen soll. Was genau in den abhörsicheren Räumen der Anlage besprochen und gemacht wird, ist nicht bekannt. Eigentlich ist damit alles wie früher. Die NSA betreibt in Deutschland munter weiter ihr geheimes Geschäft.

Zuletzt gab es Hinweise, dass die NSA am weltgrößten Internet-Knotenpunkt "De-Cix" in Frankfurt massenhaft Daten abzapft. Die Betreiberfirma erklärte prompt, niemand zapfe Daten ab. Das würde doch auffallen. Auch das klingt bekannt. Als Ende der Achtzigerjahre spekuliert wurde, die USA würden in Frankfurt, zwischen der Zeil und der Großen Eschenheimer Straße, die Richtfunk-und Leitungsnetze der Post abhören, erklärten amtliche Fachleute, das sei nicht möglich, und außerdem hätten die Amerikaner keine Sonderrechte mehr im Fernmeldewesen. Die NSA blieb unbehelligt. Angeblich zog sie dann um - ein paar Ecken weiter in ein Gebäude am Hauptbahnhof.

Abgezogen sind die Amerikaner freilich nicht. Dafür ist Deutschland zu wichtig. Wie wichtig, ist schon daran zu sehen, dass es hierzulande eine eigene Außenstelle des sogenannten Hilfsdienstes für NSA-Mitarbeiter geben soll. Er berät die Geheimen in Trauerarbeit - oder, wenn sie ihre sozialen Fähigkeiten verbessern wollen.