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Spitzenkandidatur der Grünen:Ja, ich will, sagt Trittin

Seine Aussichten stehen gut, Gegenkandidaten wird es vermutlich kaum noch geben: Fraktionschef Trittin will Spitzenkandidat der Grünen werden und die Partei in den Wahlkampf führen. Mittlerweile ist der einstige Umweltminister unangefochten. Doch seine Omnipräsenz weckt Argwohn.

Der Mann am Ende der Leitung lacht nur kurz auf. "Warum es keine männlichen Gegenkandidaten gibt? Gute Frage." Es trauten sich die meisten nicht zu. Und die es sich zutrauten, warteten noch ab.

Jürgen Trittin

"In den letzten zwei Jahren hat sein Stern extrem hell geleuchtet", sagt ein Parteifreund über Jürgen Trittin.

(Foto: dpa)

"Im Augenblick ist Jürgen Trittin einfach unangefochten" - sagt einer von denen, die ihm vielleicht irgendwann mal den Rang ablaufen werden. Aber im Augenblick wagt sich keiner aus der Deckung. Jetzt ist erst einmal "der Jürgen" dran.

Jürgen Trittin, 58 Jahre alt, Ex- Umweltminister, Fraktionschef der Grünen, neuerdings Finanzfachmann, Ober-Außenpolitiker, Beauftragter für die Energiewende seiner Fraktion; derzeit lautestes Sprachrohr der Partei und begnadeter Redner: Er tritt an.

"Nachdem Bundesvorstand und Parteirat einmütig vorgeschlagen haben, mit einem Duo als Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl 2013 anzutreten", so ließ Trittin am Wochenende Parteifreunde in einem Brief wissen, "habe ich mich entschieden, für eine der beiden Positionen zu kandidieren." Endlich ist es raus.

Lange behielt der Fraktionschef seine Entscheidung für sich

Ein halbes Jahr hatte er mit der Entscheidung hinter dem Berg gehalten und still genossen. Erst galt er als potenzieller Kanzlerkandidat - in jenen kurzen Wochen des vorigen Jahres, in denen die Grünen in Umfragen gleichauf mit der SPD lagen. Trittin sagte nichts dazu. Dann plädierte selbst der Reformerflügel bei einer Klausur dafür, 2013 mit Trittin allein ins Rennen zu gehen - obwohl dieser dem linken Flügel der Partei angehört.

Der Kandidat schwieg. Dann griff schließlich Parteichefin Claudia Roth ein. "Ja, ich stelle mich zur Wahl", bekannte sie im März in einem Interview mit der taz. "Die Lösung, dass ein einzelner Mann die Grünen im nächsten Bundestagswahlkampf anführt, die wird es mit mir nicht geben." Und der einzelne Mann? Der hielt sich wieder raus.

So wird der Führungsstil des Jürgen Trittin jenem der Bundeskanzlerin zunehmend ähnlich. Die Dinge laufen lassen, solange sie nicht gegen einen selbst laufen, dann im entscheidenden Augenblick Fakten schaffen - wie an diesem Wochenende.

Denn nur noch drei Wochen sind es bis zu jenem kleinen Parteitag, auf dem die Grünen beschließen wollen, ob sie per Urwahl oder Parteitagsbeschluss ihr Spitzenteam bestimmen. Nach Trittins Erklärung liegt der Ball nun bei den anderen potenziellen Kandidaten.