SPD-Wahlkampf Ost-Linke für Gabriel koalitionsfähig, aber auch nur die

Der Chef der Sozialdemokraten kämpft. Die Umfragewerte seiner Partei lassen ihn über Optionen nachdenken, die bisher als ausgeschlossen galten: eine Koalition mit der Linken zum Beispiel.

Wenn diesen Sonntag in Deutschland gewählt würde, müssten die Sozialdemokraten mit gerade einmal 25 Prozent der Wählerstimmen rechnen. Das zeigt die jüngste Sonntagsfrage der Wahlforschungsinstitute. Für Rot-Grün würde das bei weitem nicht reichen, um die Regierungskoalition zu stellen. Und so ringt SPD-Chef Sigmar Gabriel nun um Stimmen und feilscht dabei offenbar auch um die Möglichkeit einer Minderheitsregierung, in der Gabriel - nicht Steinbrück - sich von der Linken tolerieren ließe und sich auf deren Enthaltung und spätere Zuverlässigkeit verlassen müsste.

In einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung denkt Gabriel nun darüber nach, unter welchen Umständen er sich eine Koalition mit der Linkspartei vorstellen könnte. Auf die Frage, wann die Zeit reif für eine gemeinsame Regierung mit den Linken im Bund sei, sagte Gabriel einem Vorabbericht zufolge: "Wenn die Linke entschieden hat, was für eine Partei sie sein will. Wenn die Linke wie im Osten wäre, dann wäre das kein Problem. Aber im Westen ist sie eine Partei von Sektierern und SPD-Hassern."

Der SPD-Vorsitzende ergänzte, man müsse in einer Koalition aber sicher sein, dass Verabredungen auch gälten. Gabriel fügte demnach hinzu: "Wir dürfen Deutschland nicht in ein Abenteuer führen. Als SPD-Vorsitzender trage ich dafür Verantwortung über den Tag hinaus."

Gabriel spricht über seine "schlimmste Niederlage"

Doch Gabriel spricht wenige Wochen vor der Bundestagswahl nicht nur über Optionen, die für seinen Kanzlerkanditen Steinbrück als ausgeschlossen gelten. In einem vorab veröffentlichten Bericht des Spiegel spricht Gabriel auch über Niederlagen, die er und seine Partei zu verwinden hätten. Als "eine große Schande" bezeichnet der SPD-Chef dem Magazin zufolge den missglückten Parteiausschluss von Thilo Sarrazin nach dessen Buch "Deutschland schafft sich ab".

Bei einer Veranstaltung der Jusos in Halle an der Saale bekannte Gabriel demnach, dass die Sozialdemokraten "die Debatte stellvertretend für das ganze Land verloren" hätten. Gabriel kritisierte Sarrazins These von genetisch bedingter Intelligenz als "eine zutiefst rassistische Argumentation." Von den Intellektuellen habe sich niemand an der Diskussion beteiligt. "Es ist uns nicht gelungen, die Debatte auf den Punkt zu bringen", sagte Gabriel, "wir waren eine Handvoll Leute, die das versucht haben, mehr nicht."