SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft im Interview:"Twitter und Facebook begleiten mich"

SZ: In Frankreich hat sich in François Hollande der sozialistische Präsidentschaftskandidat bei der Wahl durchgesetzt. Gibt Ihnen das Auftrieb für Sonntag?

Kraft: Es wäre zu weit gegriffen, Rückschlüsse von der Präsidentenwahl in Frankreich auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zu ziehen. Die SPD ist sich mit den französischen Sozialisten einig, dass wir in Europa neben einer konsequenten Sparpolitik auch ein Wachstumsprogramm und eine Finanztransaktionssteuer brauchen. Insofern freue ich mich für die französischen Freundinnen und Freunde und gratuliere Frankreich zu der guten Wahl.

SZ: Bei der Wahl 2010 galten Sie als Außenseiterin, jetzt liegen Sie in Umfragen konstant vorne. Macht das den Wahlkampf leichter?

Kraft: Es verbessert die Stimmung an unseren Wahlkampfständen, das ist klar. Aber ich warne immer davor, die Umfragen so zu sehen, als wäre alles schon gelaufen. Wir kämpfen bis zur letzten Minute für eine starke SPD.

SZ: Ist Ihnen Schleswig-Holstein eine Warnung? Dort wurde die SPD nur zweitstärkste Partei hinter der CDU, Rot-Grün braucht für eine Koalition die Hilfe der Minderheitenpartei SSW.

Kraft: Die Umfragen hatten dort ein Kopf-an-Kopf-Rennen prognostiziert und in NRW sind die Umfragen anders. Dennoch ist Schleswig-Holstein Ansporn für die letzten Tage. Wir müssen bis zum Schluss kämpfen, damit die SPD stärkste Partei wird und wir Rot-Grün fortsetzen können. Deshalb werden wir im Schlussspurt nochmal landesweit dafür werben, dass die Bürgerinnen und Bürger wählen gehen, denn NRW braucht klare Verhältnisse.

SZ: Das Thema Schuldenabbau beherrscht den Wahlkampf. Sie werden häufig als Landesmutter beschrieben, die niemandem weh tut und deshalb Schulden macht. Erkennen Sie sich darin wieder?

Kraft: Nein, da erkenne ich mich nicht wieder, weil wir große Einsparungen vorgenommen haben. 750 Millionen Euro im Haushalt 201, im Etat für 2012, der nicht mehr zustande kam, war jetzt rund eine Milliarde Euro an Einsparungen vorgesehen. Das sind schon harte Einschnitte, die an der einen oder anderen Stelle wehgetan haben.

SZ: Wenn Sie die Schuldenbremse einhalten wollen, werden Sie den Bürgern noch mehr Schmerzen bereiten müssen.

Kraft: Wir haben die Einhaltung der Null-Schulden-Grenze bis 2020 fest im Blick. Deshalb betreiben wir eine Haushalts- und Finanzpolitik, die aus einem Dreiklang besteht: Einsparungen mit Augenmaß, gezielte Investitionen in Kinder, Bildung, Vorbeugung und Kommunen. Drittens eine Verbesserung der Einnahmen. Nur so lässt sich die Zukunft unseres Landes erfolgreich gestalten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB