SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück schimpft die Medien

Peer Steinbrück, SPD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, kritisiert Journalisten, die "banalisieren, personalisieren und skandalisieren".

Nach der verlorenen Bundestagswahl hat man von Peer Steinbrück nicht mehr viel gehört. Doch jetzt beschwert sich der ehemalige SPD-Spitzenkandidat über Journalisten, die "Nebensächlichkeiten hochjazzen".

Von Oliver Klasen

Zwei Monate hat Peer Steinbrück geschwiegen. Er hat still und zurückhaltend seine Rolle erfüllt in den Sondierungsgesprächen, hat Verantwortung übernommen gegenüber seiner Partei, eine Mitschuld an dem schwachen Wahlergebnis eingeräumt und die großen Reden ansonsten SPD-Parteichef Sigmar Gabriel überlassen.

Zwei Monate also, in denen Steinbrück, der sprachliche Vergleiche mag, "ins Glied zurückgetreten" ist, wie er selbst das vielleicht nennen würde. Doch jetzt kann er sich nicht länger zurückhalten. In einem Interview mit der Zeit kritisiert der SPD-Kanzlerkandidat die Rolle der Medien im Wahlkampf.

"Mein lieber Scholli", sagt Steinbrück also. Er sei überhaupt nicht "die beleidigte Leberwurst" und es sei ja auch klar, dass für einen Kanzlerkandidaten der alte Spruch gelte: "Wer keine Hitze verträgt, darf nicht in die Küche gehen." Doch es gebe hierzulande einen Journalismus, "der im Wettbewerb um Klicks, Quote und Auflage banalisiert, alles personalisiert und vieles skandalisiert", sagte er.

Der negative Höhepunkt sei gewesen, "dass zwei Zeitungen mich drei Wochen vor der Wahl in die Nähe der Stasi und des KGB ziehen wollten". Das werde er so schnell nicht vergessen, so Steinbrück.

Ihn habe überrascht, dass sich einige Medien im Wahlkampf verstärkt auf Nebensächlichkeiten statt auf Politisches gestürzt hätten. "Ich habe nicht gedacht, dass ein Teil der Medien bereit sein könnte, sich an einer solchen Entpolitisierung zu beteiligen und stattdessen Nebensächlichkeiten hochzujazzen."

Eine lange Liste der Pannen, Patzer und Peinlichkeiten

Die Ereignisse, auf die Steinbrück anspielt, lassen sich zu einer langen Liste der Pannen, Patzer und Peinlichkeiten addieren, jedenfalls dann, wenn man die Lesart der allermeisten Medien damals übernimmt. Da war die Debatte um seine hohen Vortragshonorare, seine unglücklichen Äußerungen über das Kanzlergehalt oder über den Ausgang der Parlamentswahl in Italien. Und am Ende natürlich das Bild mit dem Stinkefinger auf dem Cover des SZ-Magazins, das ein "kontroverses Medienecho" ausgelöst hat, wie Zeit Online fast verharmlosend schreibt.

Das Lamento von Steinbrück, es erinnert an einen anderen Kanzlerkandidaten, der sich nach einer verlorenen Wahl beschwert hat. Gerhard Schröder hat damals noch am Wahlabend losgepoltert. 2005 war das, Schröder hatte bei der Bundestagswahl zwar ein an den Umfragen gemessen gutes Ergebnis erreicht, die Mehrheit war jedoch perdu und Angela Merkel wurde einige Wochen später Kanzlerin.

In der Runde der Parteichefs - früher, als die Politik in Deutschland noch von alten Männern dominiert war, hieß sie einmal Elefantenrunde - schimpfte Schröder ungehemmt los. Über die Medien, die ihn aus dem Amt schreiben wollten. "War nicht gut", sagte er einige Zeit später über seinen allzu krawalligen Auftritt.

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Peer Steinbrück

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Steinbrücks Klage lässt sich damit wohl nur bedingt vergleichen. Was sich auch daran erkennen lässt, dass er seine Kritik mit einer Frage verbindet, mit der er hofft, den ein oder anderen Journalisten zumindest nachdenklich zu machen. "Was heißt das für die Bewerbung und Auslese in unserer Demokratie, wenn Frauen und Männer nicht mehr in die Politik gehen wollen, weil sie das sich und ihren Familien nicht zumuten mögen?", fragt Steinbrück.