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Sparkurs in Portugal:"Wir wollen nicht Opfer von Experimenten sein."

Doch in der Rolle des Zuchtmeisters zieht Deutschland ungekannte Aggressionen auf sich. "Warum wir die Deutschen hassen", überschrieb ein portugiesischer TV-Sender einen Bericht über Merkels Besuch. Es ist vor allem das Gefühl, von außen dominiert zu werden, das die Portugiesen lähmt. Paulo Baldaia, Direktor einer Radiostation, sagt: "Es gibt einen breiten Konsens, dass wir unsere Kasse in Ordnung bringen müssen. Aber deswegen wollen wir noch lange nicht Opfer von Experimenten sein, die zum Scheitern verurteilt sind."

Das Experiment besteht darin, deutsche Verhältnisse auf Südeuropa übertragen zu wollen. Merkel betont ja stets, dass es auch in Deutschland gedauert habe, bis die Reformen gewirkt hätten. Doch die deutsche Volkswirtschaft ist mit der Portugals oder Spaniens nicht vergleichbar. Beide Länder waren gerade erst dabei, den historischen Rückstand aufzuholen, den ein von Diktaturen geprägtes, paternalistisches und starres Wirtschafts- und Bildungssystem hinterlassen hatte. Die Krise hat diese Anstrengungen brutal gestoppt.

Jetzt gilt es, die guten Ansätze im Überseehandel, in Energiewirtschaft, Telekommunikation und Zulieferindustrien wiederzubeleben und zu fördern, damit die Länder selbstbewusster werden und aus der Depression finden.

Leider fehlen den nationalen Politikern dafür die Ideen, deshalb ist es Aufgabe europäischer Politik. Das Spardogma hingegen verwandelt Südeuropa zusehends wieder in das Armenhaus, das es bis vor wenigen Jahrzehnten war.