Sparkassen-Skandale Partys für die Politprominenz sind plötzlich Kundenservice

Sparkassen haben zahlreiche Privilegien und sind eng mit der Politik verbandelt. Kreditentscheidungen bei einer Sparkasse werden bei Bedarf nach politischen Kriterien getroffen. Wer aber aus voller Überzeugung Standortpolitik betreibt, bei dem verschieben sich leicht die Maßstäbe, der steckt rasch tief im Sponsoring, zu dem dann auch jene üppig unterstützten Partys für Politprominenz, die nun in Bayern Thema sind, gehören.

Nicht so schlimm, könnte man sagen. Was sind schon 80 000 Euro für die Feierlichkeiten zum 60.Geburtstag eines Landrats, was sind schon diese 20 000 und jene 120 000 Euro im Vergleich zu den Milliarden Euro und Dollar, die Großbanken verzockten oder veruntreuten? Gerne wird die Sause dann als Kundenveranstaltung gerechtfertigt mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik, wo man Ministerpräsident und Kardinal zusammenbringt und auch sonst allerlei Wichtige zum Wohle der Region - was ist das anderes als Vetternwirtschaft?

Vertrauen bleibt das höchste Gut

Die Leichen im Keller der Sparkassen sind einerseits preiswert, und andererseits noch viel schlimmer als die im Keller der Großen: Denn sie zerstören Vertrauen - auf das die Sparkassen mehr angewiesen sind als die Großbanken. Mag der Ruf der Deutschen Bank auch ruiniert sein, so macht sie immer noch einen Milliardenumsatz, weil die Gestalter der großen und ganz großen Geschäfte an ihr nicht vorbeikommen oder das nicht wollen. Für die 422 Sparkassen mit ihren Millionen Bürger-Kunden ist und bleibt Vertrauen das höchste Gut.

Noch überwiegt die freundliche Sicht der Dinge. Die S-Familie ist wichtig in diesem Land. Sie stellt Finanzinfrastruktur dort sicher, wo andere sich zurückgezogen haben. Mehr als 15 000 Filialen, beinahe 250 000 Mitarbeiter, rund 20 000 Auszubildende - das garantiert politische Vorzugsbehandlung.

Auch wenn hier auf europäischen Druck einiges liberalisiert worden ist, haben die Sparkassen immer noch viele Vorteile. Wenn sie die behalten wollen (und seit der Finanzkrise sind selbst Kritiker wieder mehr geneigt, sie ihnen zuzugestehen), dann müssen die Sparkassen ihre Strukturen verändern. Dann brauchen sie offenere Prozesse, rigide Richtlinien, mehr Kontrolle und vor allem einen moralischen Kompass im Sinne dessen, was der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, der selbst mal oberster Sparkassenfunktionär war, an die Adressen der Großbanker gesagt hat: "Es gibt Dinge, die tut man nicht."

Den Sparkassen droht ein Schicksal wie dem ADAC

Wenn die Sparkassen nicht aufpassen, wenn sie sich nicht bescheiden und sauber wirtschaften, wenn sie nicht den Filz mit der Politik ausräumen, dann geht es ihnen irgendwann so wie dem ADAC. Dann ist das Vertrauen der Bürger weg und die politische Protektion. Dann bleibt ein verblasster Mythos.

Noch ist die Truppe eine der mächtigsten im ganzen Land. Wenn der Sparkassen-Präsident ruft, dann kommt die Kanzlerin Angela Merkel, und nicht deshalb, weil Georg Fahrenschon mal ein führender CSU-Politiker war. Für die Chefs der Deutschen Bank, die alle paar Tage den nächsten Skandal gestehen müssen, ist die Tür zur Kanzlerin derzeit zu in Berlin. Dass sie für die Sparkassen offen bleibt, dafür ist am Ende jeder einzelne Vorstand im Land mitverantwortlich.