Spanien:Gestörte Kommunikation auf beiden Seiten

Nun liegt der Bürgerkrieg drei Generationen zurück, und schon kurz nach Francos Tod 1975 erhielten die Katalanen schrittweise ihre autonomen Rechte zurück. Darüber hinaus ist die Region inzwischen die wirtschaftsstärkste in ganz Spanien, mit Gehältern deutlich über dem Landesdurchschnitt. Im fernen Madrid bringen Politiker und Publizisten daher wenig Verständnis dafür auf, dass den jüngsten Umfragen zufolge rund 60 Prozent der Wähler in der Region für die Unabhängigkeit stimmen würden - wenn man sie denn ließe.

Das Stadtmuseum von Girona zeigt allerdings auch die andere Seite dieser gestörten Kommunikation: Die Erklärungen und Beschriftungen sind durchweg auf Katalanisch und nur an wenigen Stellen mehrsprachig. Auch die Webseiten der höheren Schulen von Girona informieren grundsätzlich auf Katalanisch und nur selten auch auf Spanisch. In Madrid betrachtet man dies nicht nur als Verletzung einschlägiger Vorschriften für öffentliche Einrichtungen, sondern fühlt sich brüskiert - abgesehen davon, dass nur etwa 60 Prozent der 7,5 Millionen Einwohner der Industrie- und Touristikregion Katalanisch als Muttersprache angeben.

Beim Fußball sind manche Katalanen zur Not sogar für Holland

Die Katalanen wiederum werfen Madrid vor, sie beim regionalen Finanzausgleich, den die Zentralregierung abwickelt, krass zu benachteiligen - die Experten der Zentralregierung behaupten das Gegenteil. Die Kommentatoren der katalanischen Presse verweisen außerdem auf Schottland, wo die Bevölkerung habe entscheiden dürfen - dasselbe Grundrecht wolle Madrid den Katalanen aber nicht zugestehen.

Als Bastion der Unabhängigkeitsbewegung gilt der FC Barcelona. Die neue Saison hat er nicht in den traditionellen blau-roten Hemden begonnen, sondern in gelben Trikots mit vier roten Streifen - den katalanischen Nationalfarben. Und was in Madrid als schlimmster Affront angesehen wurde: Als die spanische Nationalelf bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Sommer gegen die Niederlande mit 1:5 unterging, haben viele Fernsehzuschauer in den Straßencafés von Girona und anderen katalanischen Städten jedes Holländer-Tor bejubelt.

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