US-Politik:Bedrückende Serie

US-Politik: Beiden Männern wurden sexuelle Übergriffe vorgeworfen: US-Präsident Donald Trump (rechts) während der Amtseinführung des Obersten Richters Brett Kavanaugh im Oktober 2018.

Beiden Männern wurden sexuelle Übergriffe vorgeworfen: US-Präsident Donald Trump (rechts) während der Amtseinführung des Obersten Richters Brett Kavanaugh im Oktober 2018.

(Foto: Jim Watson/AFP)

Sexuelle Missbrauchsskandale sind in der amerikanischen Politik allgegenwärtig.

Von Reymer Klüver

Macht verleitet zum Missbrauch, und die Liste der Fälle, in denen Männer in Amerikas Politik ihr Amt dazu benutzt haben, um Frauen unerwünschte Avancen zu machen oder gar zum Sex zu zwingen, ist lang, enorm lang. Die Internet-Wissensplattform Wikipedia führt in ihrer englischen Version gleich mehrere Artikel zu Sex- und Missbrauchsskandalen auf. Allein für die vergangenen drei Jahrzehnte werden Dutzende Affären genannt, in die Washingtoner Politiker verwickelt waren. Da sind Fälle jenseits der US-Bundespolitik gar nicht eingeschlossen.

Die Vorwürfe gegen Andrew Cuomo sind in ihrer Fülle bemerkenswert, aber keineswegs einzigartig. Sofort präsent sind in diesem Zusammenhang die Anschuldigungen gegen den früheren Präsidenten Donald Trump. Mehr als zwei Dutzend Frauen hatten sich im Wahlkampf 2016 und danach gemeldet, die dem späteren Präsidenten Belästigung vorwarfen und ihn in mindestens einem Fall sogar der Vergewaltigung bezichtigten.

Trump wies die Anschuldigungen ausnahmslos zurück und ließ sich später, als er im Weißen Haus war, sogar von Anwälten des Justizministeriums verteidigen. Während seiner Amtszeit erschien ein Buch, das sich mit seinen Affären beschäftigte und den Untertitel trug: "Die Erschaffung eines Triebtäters". Bei der Wahl 2016 hatte ihm aber selbst ein Mitschnitt nicht geschadet, in dem er damit geprahlt hatte, jeder Frau ungestraft an ihre Geschlechtsteile fassen zu können. Er erhielt mehr Stimmen weißer Frauen als seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton.

Die Führungsspitze der Demokraten zeigt weniger Verständnis als die der Republikaner

Der jüngste Washingtoner Skandal betrifft einen republikanischen Parlamentarier und engen Parteigänger Trumps, den Kongressabgeordneten Matt Gaetz aus Florida. Ihm wird vorgeworfen, minderjährige Frauen für Sex bezahlt zu haben und sich einen Sextrip auf die Bahamas von einem Unternehmer finanziert haben zu lassen. Das US-Justizministerium ermittelt wegen Bestechlichkeit. Gaetz weist alle Anschuldigungen als Komplott seiner politischen Gegner zurück.

Allein in den vergangenen vier Jahren wurden Vorwürfe gegen fünf republikanische Kongressabgeordnete laut. Zwei traten zurück, zwei blieben trotz substanzieller Anschuldigungen im Amt, einer verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Auch zwei demokratische Abgeordnete traten in dieser Zeit zurück, weil sie sich Büromitarbeiterinnen sexuell genähert hatten, im Fall der Abgeordneten Katie Hill einem Mitarbeiter. Ausschlaggebend für die Rücktritte war meist der Umstand, dass die Abgeordneten den Rückhalt ihrer Parteiführer im Kongress verloren hatten. Im Unterschied zur Führungsspitze der Republikaner zeigt die Frontfrau der Demokraten, die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, wenig Verständnis für die Verstöße ihrer Abgeordneten gegen den Verhaltenskodex für US-Politiker.

Aufsehen erregten vor drei Jahren auch die Vorwürfe gegen den Mann, den Donald Trump damals für den Obersten Gerichtshof nominierte: Gleich drei Frauen bezichtigten Brett Kavanaugh sexueller Übergriffe. Ihre Aussagen blieben folgenlos: Kavanaugh ist seit Oktober 2018 einer der Obersten Richter der Vereinigten Staaten.

© SZ
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