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Sexuelle Übergriffe:Britischer Verteidigungsminister tritt nach Belästigungsvorwürfen zurück

  • In Großbritannien mehren sich die Aussagen von Journalistinnen und früheren Mitarbeiterinnen, von hochrangigen Politikern sexuell belästigt worden zu sein.
  • Nun ist der britische Verteidigungsminister Michael Fallon zurückgetreten und räumt Fehlverhalten ein.
  • Premierministerin May will in der kommenden Woche ein einheitliches Beschwerdeverfahren für derartige Fälle festlegen.

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon ist nach Vorwürfen sexueller Belästigung zurückgetreten. Das gab das Ministerium am Mittwochabend in London bekannt. Gegenüber dem Sender BBC räumte Fallon ein, sein Verhalten in der Vergangenheit sei wohl hinter den Standards "zurückgeblieben", die man vom Militär des Vereinigten Königreichs erwarten könne.

Der Konservative stand unter Druck, seit Anfang der Woche die aktuelle Debatte um Sexismus und sexuell übergriffiges Verhalten gegen Frauen die britische Politik erreicht hatte. Eine Journalistin hatte erklärt, Fallon habe 2002 bei einem Dinner unerwünschte Avancen gemacht und wiederholt ihr Knie angefasst. Eine Reihe weiterer Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben würden, entsprächen jedoch nicht der Wahrheit, heißt es in Fallons Rücktrittserklärung.

Die britische Premierministerin Theresa May schrieb dem Guardian zufolge in ihrer Antwort, sie schätze "die charakteristische Ernsthaftigkeit" und "das besondere Vorbild, das er für die Streitkräfte darstellen wolle".

Anzügliche Nachrichten, Dildo-Käufe und ein Vergewaltigungsvorwurf

In den vergangenen Tagen war eine Reihe von Missbrauchs-Vorwürfen gegen britische Politiker lautgeworden. Unter anderem soll Unterstaatssekretär Mark Garnier seine Sekretärin mit dem Kauf von Sexspielzeug für für seine Ehefrau und eine andere Mitarbeiterin beauftragt haben. Der konservative Ex-Minister Stephen Crabb und Abgeordnete des House of Commons gab zu, einer 19-jährigen Jobbewerberin belästigende Nachrichten geschickt zu haben. Eine frühere Mitarbeiterin der Labour-Partei sagte, ein ranghoher Parteipolitiker habe sie als 19-Jährige vergewaltigt. Als sie sich einem Vorgesetzten anvertraut habe, habe dieser ihr nahegelegt, nicht mehr darüber zu reden, weil dies ihrer Karriere schaden könne. Labour-Parteichef Jeremy Corbyn kündigte unabhängige Untersuchung der Vorwürfe an.

Als bisher ranghöchster britischer Politiker sieht sich Mays Vize und Studienfreund Green Belästigungsvorwürfen ausgesetzt. In einem Beitrag für die Londoner Zeitung The Times beschrieb die Journalistin Kate Maltby, wie ihr der rund 30 Jahre ältere Abgeordnete 2015 seine Hand auf das Knie legte. Sie habe sofort den Kontakt abgebrochen, doch ein Jahr später habe Green ihr zu einem Foto von ihr in einem Magazin-Artikel eine anzügliche SMS geschickt. Green wies die Vorwürfe als "völlig unwahr" zurück. Er sei schockiert und verletzt, zumal er seine Anklägerin bisher als "persönliche Freundin" angesehen habe, erklärte der 61-Jährige am Mittwoch.

Beschwerde-Krisensitzung in der kommenden Woche

Offenbar herrschte über Jahrzehnte im Parlamentsgebäude und auch in den Parteien eine Art Gesetz des Schweigens, in dem offenbar Übergriffe wissentlich geduldet wurden. Laut Medienberichten soll im Parlament eine Liste mit den Namen von rund 40 konservativen Abgeordneten kursieren, denen sexuelle Belästigung nachgesagt wird.

Premierministerin Theresa May hat die Parteichefs daher für Anfang kommender Woche zu einem Treffen eingeladen, um einen einheitlichen Beschwerdeweg für derartige Fälle festzulegen. "Wir haben die Pflicht sicherzustellen, das jeder mit Respekt behandelt wird, der hierherkommt, um zum öffentlichen Leben beizutragen", sagte May dazu.

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