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#MeToo in Westminster:Britische Abgeordnete sollen Mitarbeiterinnen belästigt haben

Eine Frau demonstriert mit eindeutiger Geste gegen sexuelle Gewalt.

(Foto: Bertrand Guay/AFP)
  • Gegen Abgeordnete des britischen Parlaments werden immer mehr Vorwürfe bekannt, Frauen belästigt zu haben.
  • Mitarbeiterinnen haben sich in einer WhatsApp-Gruppe gegenseitig vor den übergriffigsten Abgeordneten gewarnt.
  • Auch mindestens ein Minister soll unter den Tätern sein. Die Vorwürfe treffen Abgeordnete beider Kammern des Parlaments.

"Steig nicht mit ... in den Aufzug", "... ist in Taxis nicht sicher", "... hat bei einem Sektempfang meinen Arsch begrabscht" - in diesen Nachrichten geht es um Abgeordnete des britischen Parlaments. Mitarbeiterinnen haben sie in einer WhatsApp-Gruppe geteilt, um andere Frauen zu warnen.

Abgeordnete beider Kammern des Parlaments sollen ihren Angestellten und Kolleginnen sexualisierte Gewalt und Belästigung angetan haben. Über die WhatsApp-Gruppe berichtete zunächst The Sun. Sie funktioniert ähnlich wie das Whisper Network in der US-amerikanischen Medienszene, das im Zuge der #MeToo-Diskussion öffentlich diskutiert wurde.

Medienberichten zufolge ist übergriffiges Verhalten in Westminster so häufig, dass Premierministerin Theresa May regelmäßig einen zusammenfassenden Bericht über alle aktuellen Vorfälle erhält. Die Einzelfälle, die nun bekannt werden, könnten dazu führen, dass sie ihr Kabinett umbauen muss.

Unterstaatssekretär Mark Garnier soll etwa seine Sekretärin vor Zeugen mit "Zuckertitten" angesprochen haben und sie losgeschickt haben, um Sexspielzeug zu kaufen - mit dem Hinweis, dass er es für seine Ehefrau und eine andere Mitarbeiterin brauche. "Ich werde das nicht verleugnen, weil ich nicht unehrlich bin", sagte der Konservative als Antwort auf die Vorwürfe.

Der konservative Ex-Minister Stephen Crabb und Abgeordnete des House of Commons hat zugegeben, einer 19-jährigen Jobbewerberin belästigende Nachrichten geschickt zu haben.

"Völlig inakzeptabel", findet Theresa May

Labour-Chef Jeremy Corbyn hat erklärt, einen Abgeordneten aus der Partei geworfen zu haben, dem homophobe und anzügliche Kommentare vorgeworfen werden. "Es muss ein richtiges System geben, damit Leute melden können, wenn sie missbraucht worden sind", sagte Corbyn dem Radiosender LBC.

Erst nach tagelangen Gerüchten hat sich die Regierung geäußert. Die Vorwürfe, dass Abgeordnete beider Kammern des Parlaments Mitarbeiterinnen und Kolleginnen belästigt haben sollen, halte die Regierung für "zutiefst besorgniserregend", wie The Guardian einen Regierungssprecher zitiert. Dem Sprecher zufolge habe die Premierministerin verdeutlicht, "dass jegliches ungewolltes sexuelles Verhalten in jedem Bereich des Lebens, inklusive dem der Politik, völlig inakzeptabel ist". Formale Beschwerden habe es bislang nicht gegeben, "aber wenn das doch passiert, werden wir das adressieren".

Über ihre eigenen öffentlichen Kanäle haben Parlament und Regierung das Thema bislang kaum adressiert. Den Twitter-Feed des Parlaments dominiert die Tatsache, dass am Ende der Sommerzeit in Westminster 2000 Uhren zurückgestellt wurden.

© SZ.de/jsa/ees

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