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Sergio Ramírez über Nicaragua:"Die Leute haben jetzt keine Angst mehr"

Sergio Ramírez kämpfte in den Siebzigerjahren mit Daniel Ortega erfolgreich gegen Diktator Anastasio Somoza. Heute gehört der Autor zu den schärfsten, profiliertesten Kritikern des nicaraguanischen Präsidenten Ortega.

(Foto: Inti Ocon/AFP)

Der Schriftsteller Sergio Ramírez sieht Nicaragua unter seinem einstigen Freund Daniel Ortega als Einfamilienstaat. Die Studentenproteste könnten eine Zeitenwende sein, sagt er - und erklärt, warum er selbst nicht demonstriert.

Interview von Boris Herrmann

In Nicaragua wird der Schriftsteller Sergio Ramírez, 75, noch immer ehrfürchtig "el doctor" genannt. Den Namen hat er sich als intellektueller Anführer der sandinistischen Revolution von 1979 erworben. Nach dem Sturz von Diktator Anastasio Somoza war er zunächst Mitglied der fünfköpfigen Regierungsjunta, von 1984 bis 1990 dann Vizepräsident - als Stellvertreter seines Freundes Daniel Ortega, des "comandante". Heute sind der Doktor und der seit 2007 wieder regierende Kommandant erbitterte Feinde. Als Ramírez im April für sein Lebenswerk den Cervantes-Preis erhielt, die bedeutendste Literaturauszeichnung der spanischsprachigen Welt, prangerte er in seiner Dankesrede Ortegas Autoritarismus und die brutale Polizeigewalt gegen die seit Wochen andauernden Studentenproteste an. Im Interview erklärt er, weshalb Nicaragua zum nächsten Venezuela werden könnte.

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