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Selbsttötung von Dschaber al-Bakr:Schwerer Rückschlag für die Ermittler

Am Mittwochabend war Jacobs Angaben zufolge die letzte reguläre Kontrolle um 19:30 Uhr erfolgt. Eine Anwärterin der JVA hatte aus eigener Initiative dann bereits um 19:45 Uhr erneut in die Zelle geschaut und den leblosen Gefangenen entdeckt. Alle Hilfsmaßnahmen kamen für ihn zu spät. Um 20:15 Uhr stellte die Notärztin al-Bakrs Tod fest.

Auf Nachfrage von Journalisten erklärte der JVA-Leiter, al-Bakr sei anfänglich kein Dolmetscher zur Seite gestellt worden, obwohl er mit der Sprache Probleme hatte. Erst für den Termin mit der Psychologin war ein Übersetzer eingesetzt worden. Während Jacob zufolge Personalmangel keine Rolle im Fall al-Bakr gespielt habe, wäre es aber wünschenswert, auch nach regulärem Dienstschluss noch Dolmetscher einsetzen zu können. "Kommunikation ist das Wesentliche bei der Verhinderung von Suiziden", so Jacob.

Terror-Ermittlungen bei Generalbundesanwaltschaft

Wie Sachsens Generalstaatsanwalt Klaus Fleischmann auf der Pressekonferenz sagte, werde nun allen Hinweisen auf mögliches Fremdverschulden nachgegangen. Die Situation in der Zelle sei nach der Selbsttötung und durch die Reanimationsversuche "nicht mehr ganz hundertprozentig zu klären" gewesen.

Der Tod des Syrers ist für Ermittler und Sicherheitsbehörden ein schwerer Rückschlag. Sie hatten sich von ihm erhofft, Informationen über etwaige Hintermänner zu erhalten, und darüber, wie es zu seiner Radikalisierung zum islamistischen Fundamentalisten gekommen war. Die Ermittler gehen davon aus, dass er Kontakte zum sogenannten Islamischen Staat hatte.

Während der Pressekonferenz sagte Generalstaatswanwalt Fleischmann: "Es wäre ein sehr schöner Ermittlungsansatz gewesen, wenn al-Bakr - ich sag es mal unschön - im Ermittlungsverfahren ausgepackt hätte." Die Behörden in Dresden ermittelten jedoch nur zum Suizid. Die Terror-Ermittlungen liefen bei der Generalbundesanwaltschaft.

Anmerkung der Redaktion: Wegen der wissenschaftlich belegten Nachahmerquote nach Selbsttötungen haben wir uns entschieden, in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Diese Bedingung sehen wir im Fall des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr gegeben, denn wie und warum er zu Tode kam und welche Konsequenzen daraus abzuleiten sind, ist Gegenstand einer relevanten öffentlichen Debatte. Dennoch gestalten wir die Berichterstattung bewusst zurückhaltend und verzichten wo es möglich ist auf Details.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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