Einbürgerung "Wie werden Sie als Schweizerin Altöl entsorgen?"

Mit Einbürgerung haben sie's nicht so, die Schweizer. Bei Volksabstimmungen werben rechte Parteien massiv um Stimmen. (Archivbild)

(Foto: REUTERS)
  • Wer in der Schweiz eingebürgert werden will, muss erst eine Kommission aus dem Heimatort überzeugen.
  • Die Fragen sind willkürlich, die Vorstellungskraft der künftigen Nachbarn begrenzt.
  • Nun erregt ein besonders absurder Fall Aufsehen.
Von Charlotte Theile, Zürich

Wenn man über erfolgreiche Integration spricht, landet man im Idealfall bei einer Frau wie Funda Yilmaz. Die 25-jährige Türkin ist in der Schweiz geboren, sie spricht Dialekt und arbeitet als Bauzeichnerin in einem lokalen Unternehmen.

Yilmaz ist mit einem Schweizer verlobt, hat stets ihre Steuern bezahlt und sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Ihr Leumund, wie man in der Schweiz sagt, ist ausgezeichnet. Beim durchaus anspruchsvollen Einbürgerungstest erreichte Yilmaz die volle Punktzahl. Doch um Schweizerin zu werden, ist das noch nicht ausreichend.

Funda Yilmaz wurde Anfang des Jahres von einer Einbürgerungskommission in ihrem Heimatort Buchs im Kanton Aargau interviewt, das Gespräch verlief eher holprig. Die Gemeinderäte wollten von Yilmaz zum Beispiel wissen, wie sie ihren Abfall entsorge.

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Ihre Antwort in Sachen Altöl - das wisse sie jetzt nicht, aber würde es dann googeln - überzeugte die Räte ebenso wenig wie ihre Antwort auf die Fragen nach ihren Hobbys. Funda Yilmaz, 25, geht gern zum Pole-Dance ins Fitnessstudio, sie fährt gern Snowboard und geht mit dem Hund spazieren. Die Frage "Wandern Sie?" musste Yilmaz verneinen.

Zum Einkaufen geht sie zu Aldi oder in die Schweizer Supermarktkette Migros, den Dorfladen nannte sie nicht. Die Kommission empfahl den Einwohnern von Buchs, das Gesuch abzulehnen. Yilmaz sei nicht integriert, sie kenne die Bräuche des Landes nicht genügend und habe keine Ahnung von Abfallentsorgung. So funktioniert Einbürgerung in der Schweiz: Die Gemeinde vor Ort überprüft, ob jemand die formalen Kriterien erfüllt, lange genug im Kanton lebt und die Sprache spricht. So weit, so objektiv.

Ihre volle Punktzahl im Einbürgerungstest spielte keine Rolle

In die Entscheidung fließen aber auch weniger eindeutige Kriterien mit ein: "Vertraut sein mit den Lebensverhältnissen" oder "Wille zur Teilnahme am Wirtschaftsleben".

Immer wieder einmal kommt es vor, dass Menschen die Einbürgerung verwehrt wird, weil sie ihre Freunde eher in der Nachbarstadt haben (so geschehen bei einem amerikanischen Professor, der nach vierzig Jahren in der Schweiz das Gesuch stellte) oder weil sie im Dorf nicht sonderlich beliebt sind - wie zum Beispiel die Veganerin Nancy Holten, die sich gegen Kuhglocken engagiert.