Schweden Was wir über die Tat in Stockholm wissen - und was nicht

In der Nähe des Stockholmer Einkaufszentrums Åhléns City legen Menschen Blumen nieder. Die schwedische Hauptstadt wird nach dem Anschlag noch immer streng bewacht.

(Foto: Michael Campanella/Getty Images)

Der mutmaßliche Täter ist ein 39-Jähriger aus Usbekistan, sieben weitere Personen wurden befragt. Die Ermittler haben alle Opfer identifiziert, zwei sind keine Schweden.

Was wir wissen

Was passiert ist: Auf einer zentralen Einkaufsstraße in Stockholm ist am Freitag kurz vor 15 Uhr ein Lastwagen zuerst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast. Der Fahrer soll Medienberichten zufolge an der Kreuzung der beiden Einkaufsstraßen Drottninggatan und Kungsgatan in eine Menschenmenge gesteuert haben. Anschließend sei er in das Einkaufszentrum "Åhléns City" gefahren. Dort geriet das Fahrerhaus des Lastwagens in Brand, der Fahrer floh.

Der Lastwagen: Bei dem Kleinlastwagen handelt es sich der schwedischen Brauerei Spendrups zufolge um eines ihrer Firmenfahrzeuge, der Lkw trägt die Aufschrift "Kall Öl" ("Kaltes Bier"). Der Getränkelaster sei am Freitagmorgen gestohlen worden, als der Fahrer die Kabine verlassen habe, um eine Lieferung in der Innenstadt auszuladen, gab die Brauerei bekannt. Der Fahrer habe gesehen, wie ein maskierter Mann in die Kabine gesprungen sei. Der Brauerei-Mitarbeiter habe noch versucht, den Mann aufzuhalten und sei angefahren, aber nicht schwer verletzt worden.

Die Opfer: Nach Angaben der schwedischen Behörden wurden bei dem Anschlag vier Menschen getötet. Es sind zwei Schweden, ein Brite und ein Belgier. Darunter soll Medienberichten zufolge auch ein elfjähriges Mädchen sein, das die Eltern den ganzen Samstag via Twitter gesucht hatten.

Weitere 15 Personen wurden verletzt. Sechs der Verletzten konnten am Samstag aus dem Krankenhaus entlassen werden. Neun andere müssen weiter stationär behandelt werden, teilte das Stockholmer Karolinska-Krankenhaus mit.

Der Tatverdächtige: Bei dem Mann, der mutmaßlich den Lkw lenkte, handelt es sich um einen 39-Jährigen aus Usbekistan. Die Polizei konnte ihn am Freitag in Märsta im Norden von Stockholm festsetzen, er befindet sich noch immer in Gewahrsam und wird derzeit verhört. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass gegen ihn der stärkstmögliche Verdacht einer terroristischen Straftat bestehe und die Ermittlungen den Verdacht gegen ihn bekräftigten. Er habe nteresse an Extremistengruppen wie der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gezeigt. Außerdem sollte er abgeschoben werden: Seine Aufenthaltsgenehmigung wurde 2016 abgelehnt.

Was wir nicht wissen

Hintergrund der Tat: Bisher hat sich niemand offiziell zu der Tat bekannt. Schwedische Medien berichten, dass durch Stockholm ein Polizeiwagen fuhr, aus dem Polizisten "Warnung vor einer Terrortat" riefen. Der schwedische Geheimdienst sprach von einem Anschlag - ebenso der schwedische Premier Stefan Löfven. "Schweden ist angegriffen worden. Alles deutet auf eine Terrortat hin", sagte Löfven dem schwedischen Fernsehen.

Der oder die weiteren Täter: Die schwedische Polizei ist sich auch nach der Festnahme des Mannes aus Usbekistan nicht sicher, ob es sich um die Tat eines Einzelnen handelt. Weitere Personen wurden verhört. "Wir können weiter nicht ausschließen, dass weitere Leute beteiligt waren", sagte Polizeichef Dan Eliasson am Samstag. Insgesamt wurden 500 Verhöre durchgeführt. Am Sonntag verhaftete die Polizei eine zweite Person, die nach Angaben einer Sprecherin der "terroristischen Straftaten des Mordes" verdächtigt wird.

Gegenstand im Lkw: Die Ermittler versuchen derzeit, eine Vorrichtung zu identifizieren, die auf dem Fahrersitz des Lkw gefunden wurde. Polizeiangaben zufolge enthält sie möglicherweise Sprengstoff.

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