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Schwarz-Gelb und Atomausstieg:Der Atomausstieg - mehr als eine Mode

Für den Fall einer vorübergehenden Stilllegung von Atommeilern gibt es in den Verträgen keine ganz klare Regelung. Noch gilt die Laufzeitverlängerung, noch ist sie nicht zurückgenommen oder verkürzt, noch ist nur die Überprüfung der gesamten Atompolitik während des dreimonatigen Moratoriums angekündigt. Aber schon darauf reagieren die Konzerne pampig.

Juristisch lässt sich das vertreten, politisch und moralisch nicht. Beim Zahlungsstopp handelt es sich um Droh- und Imponiergehabe. Die Atomkonzerne meinen, sie könnten sich das schon wieder leisten. Das ist eine schwere Fehlspekulation.

Natürlich werden die Erfolge der Grünen wieder abflauen; auf sie warten die Mühen des Alltags. Dem designierten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann wird es objektiv unmöglich sein, alle rasenden Erwartungen zu erfüllen. Nach einem Jahr Regierungszeit, just zu Beginn des Bundestagswahlkampfes also, wird wohl die Enttäuschung über ihm zusammenschlagen. Das wird den Grünen schaden, das wird Angela Merkel helfen. Aber: Fukushima wird ein Menetekel bleiben.

Fukushima war und ist mehr als eine Rinderseuche; es war und ist etwas anderes als ein Spendenskandal. Wer auf die Vergesslichkeit der Menschen setzt, wer politisch oder wirtschaftlich damit kalkuliert, macht einen schweren Fehler.

Fukushima hat den Prozess der Bewusstseinsumbildung, der nach Tschernobyl begonnen hat, stabilisiert und unumkehrbar gemacht - der Atomausstieg ist keine Mode, keine deutsche Marotte mehr, sondern Teil eines breiten gesellschaftlichen Selbstverständnisses. Wer das verkennt, destabilisiert seine eigene politische und wirtschaftliche Position.