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Schuldenkrise in Griechenland:Ausschreitungen bei Protesten in Athen

Tausende Menschen haben in Athen erneut gegen die geplanten Sparbeschlüsse der griechischen Regierung protestiert. Randalierer warfen Steine auf Polizisten, die Sicherheitsbeamten räumten daraufhin den zentralen Syntagma-Platz. Am heutigen Montag soll in Brüssel das zweite Hilfspaket auf den Weg gebracht werden - führende Ökonomen kritisieren jedoch das Vorgehen bei der Griechenland-Rettung.

Vor den Beratungen der Euro-Finanzminister am Montag in Brüssel haben in Athen erneut Tausende gegen die Sparbeschlüsse der griechischen Regierung demonstriert. Im Anschluss an eine Serie von Protesten kam es in Athen zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten.

Nach Rundfunkberichten bewarfen Randalierer die Beamten am Sonntagabend mit Steinen. Daraufhin ließ die Polizei den Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament räumen, mehrere Demonstranten wurden leicht verletzt. Tausende hatten zuvor friedlich gegen die Regierung protestiert.

Am Vormittag waren etwa 3000 Menschen einem Aufruf der Gewerkschaften zu einer Kundgebung im Zentrum der griechischen Hauptstadt gefolgt. Anschließend hielten andere Organisationen weitere Kundgebungen ab.

Nach monatelangem Gezerre wollen die Euro-Finanzminister am Montag in Brüssel das mindestens 130 Milliarden Euro schwere Paket freigeben, das Griechenland vor der Staatspleite retten soll. Es ist auch Voraussetzung für die Einleitung des Schuldenschnitts mit privaten Gläubigern wie Banken und Versicherungen. Damit sollen Athens Schulden um rund 100 Milliarden Euro sinken.

Als Gegenleistung für neue Milliardenkredite muss Griechenland zahlreiche Auflagen erfüllen und eisern sparen. Zudem muss sich Athen einer schärferen Kontrolle unterwerfen. So wollen die Minister die Einrichtung eines Sperrkontos beschließen, auf das ein Teil der Staatseinnahmen fließen soll. Athen kann davon nur Kredite zurückzahlen, aber keine anderen Ausgaben tätigen. Damit gibt die Regierung faktisch einen Teil ihrer Haushaltssouveränität ab.

Bei ihrem Treffen werden die Kassenhüter auch über weitere Maßnahmen für Athen beraten, um befürchtete neue Finanzierungslücken zu schließen. Die Athener Regierung des parteilosen Ministerpräsidenten Lukas Papadimos will in diesem Jahr mehr als drei Milliarden Euro einsparen. Dazu sollen unter anderem die Renten und Mindestlöhne gekürzt sowie 15.000 Staatsbedienstete entlassen werden.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/mkoh/gal
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