Schotten und Engländer:Sie schlugen und sie schätzten sich

Lesezeit: 4 min

Schotten und Engländer: Unnachgiebiger schottischer Freiheitskämpfer: Mel Gibson als "Braveheart"

Unnachgiebiger schottischer Freiheitskämpfer: Mel Gibson als "Braveheart"

(Foto: Imago Stock&People)

Bravehearts Freiheitskampf, Act of Union, das Referendum: Die Geschichte von Schottland und England ist von Demütigungen und heftigen Kämpfen geprägt. Stationen eines schwierigen Verhältnisses.

Von Barbara Galaktionow

Seit mehr als 300 Jahren ist Schottland in einer Union mit England. Lange Zeit war das "Vereinigte Königreich" dabei sehr erfolgreich - wirtschaftlich und politisch. Doch inzwischen sehen viele Schotten keinen Vorteil mehr in der Verbindung. Nun waren sie aufgerufen, in einem Referendum darüber abzustimmen, ob Schottland wieder ein unabhängiger Staat werden soll und haben sich gegen eine Abspaltung entschieden.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Union zwischen den beiden Königreichen kam einst aus äußerst schnöden Gründen zustande. Zuvor hatten die Schotten hart für ihre Unabhängigkeit gekämpft.

Edward I. unterwirft die Schotten

Es war eine Demütigung: 1296 ließ der englische König Edward I. den "Stein von Scone", den symbolisch wichtigen Krönungsstein der schottischen Könige, nach London überführen. Dort baute er den etwa 152 Kilogramm schweren Sandstein in den Krönungsthron der englischen Monarchen in Westminster ein. Zuvor hatte Edward Streitigkeiten um den schottischen Thron genutzt, um die Herrschaft über das nördliche Königreich an sich zu reißen. Diese waren ein Jahr zuvor entbrannt, nachdem der schottische König Alexander III. unerwartet bei einem Sturz vom Pferd ums Leben gekommen war.

William Wallace und Robert the Bruce - der Kampf um Unabhängigkeit

Die Schotten fügten sich nicht ins Los des unterjochten Volkes, sondern rebellierten gegen die englische Vorherrschaft. Vor allem zwei Namen sind mit diesem Kampf verbunden: William Wallace und Robert the Bruce. Wallace, der als Freiheitskämpfer in die schottische Nationalerinnerung einging und dank des Hollywood-Schinkens "Braveheart" mit Mel Gibson in der Hauptrolle vor etwa 20 Jahren weltweite Bekanntheit erlangte, stammte aus dem niederen schottischen Adel.

Ende des 13. Jahrhunderts gelang ihm und seinen Mitstreitern ein spektakulärer Sieg: In der Schlacht von Stirling Bridge fügten sie den Engländern eine vernichtende Niederlage zu. Der Erfolg sollte jedoch nicht von Dauer sein. Nicht einmal ein Jahr später unterlagen die schottischen Rebellen in der Schlacht von Falkirk den Truppen Edwards. Im Jahr 1305 wurde William Wallace gefangen genommen und auf brutale Weise hingerichtet - durch Hängen, Ausweiden und Vierteilen.

Der Freiheitswille der Schotten war damit jedoch nicht gebrochen. Robert the Bruce führte nun den Kampf weiter. Er wurde 1306 in Scone zum schottischen König gekrönt - allerdings dann von den Engländern zeitweilig aus Schottland vertrieben. Erst 1314 gelang ihm und seinen Gefolgsleuten in der Schlacht von Bannockburn der entscheidende Sieg über die Engländer. Die erkannten die Unabhängigkeit Schottlands allerdings erst im Jahr 1328 offiziell an. Robert the Bruce starb ein Jahr später. Es folgten weitere Versuche der englischen Krone, sich Schottlands zu bemächtigen - die Fehde zogsich über die Jahrhunderte hinweg. Von 1603 an regierten die schottischen Könige aus dem Hause Stuart in Personalunion auch das Königreich England, wenn auch mit Unterbrechungen.

Schotten verabschieden sich von ihrer Unabhängigkeit

Und dann - im Jahr 1707 - zwingt nicht militärische Stärke Schottland in die Union mit dem südlichen Nachbarn, sondern finanzielle Schwäche. Schottland übernimmt sich beim Versuch, in Mittelamerika eine Kolonie aufzubauen. Im Gegenzug für die Übernahme der Schulden durch England stimmten die schottischen Adligen im Parlament der Aufgabe der schottischen Souveränität zu - gegen heftigen Widerstand des Volks. Das "Vereinigte Königreich" wird vor allem unter wirtschaftlichen Vorzeichen geboren - 15 der 25 Artikel im "Act of Union" befassen sich mit ökonomischen Fragen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB