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Sachsen:Ermittlungen gegen LKA-Spezialkräfte

Polizeieinsatz 13 02 2017 Chemnitz Am Montagnachmittag gab es in Chemnitz auf der Augustusburger St

In Sachsen laufen Ermittlungen gegen 17 Beamte eines mobilen Einsatzkommandos des Landeskriminalamtes (LKA).

(Foto: Harry Haertel/imago)

Die 17 Beamten sollen mindestens 7000 Schuss Munition entwendet und diese als Bezahlung bei einem privaten Schießtraining verwendet haben. Ausgangspunkt waren die Ermittlungen zum Anbieter des Schießtrainings und dessen Verbindungen in die rechte Szene.

In Sachsen laufen Ermittlungen gegen 17 Beamte eines mobilen Einsatzkommandos des Landeskriminalamtes (LKA). Die Vorwürfe betreffen Diebstahl und Beihilfe zum Diebstahl, Verstöße gegen das Waffengesetz und Bestechlichkeit, wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das LKA am Dienstag mitteilten.

Am gleichen Tag seien im Großraum Dresden die Privatwohnungen von vier Hauptbeschuldigten und die Diensträume aller Beschuldigten durchsucht worden. Den Männern im Alter von 32 bis 49 Jahren wird vorgeworfen, im November 2018 aus Dienstbeständen mindestens 7000 Schuss Munition entwendet und diese als Bezahlung bei einem privaten Schießtraining bei der Firma "Baltic Shooters" bei Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern genutzt zu haben. Auch die anderen 13 Beschuldigten hätten mutmaßlich an dem Schießtraining teilgenommen, gegen sie werde wegen der Beihilfe zum gemeinschaftlichen Diebstahl sowie wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand sei das Schießtraining offiziell beantragt, aber durch den Vorgesetzten der Beschuldigten untersagt worden. Darüber hätten sich die Bediensteten bewusst hinweggesetzt. Gegen alle Betroffenen seien Disziplinarermittlungen eingeleitet worden.

Die Firma "Baltic Shooters" war zuletzt im Zusammenhang mit der Schusswaffenaffäre um Mecklenburg-Vorpommerns ehemaligen Innenminister Lorenz Caffier in den Fokus geraten, der wegen eines umstrittenen Waffenkaufs 2020 zurückgetreten ist und selbst bei "Baltic Shooters" trainiert hatte. Nachdem die Nähe des Schießanlagen-Betreibers zur rechten Szene bekannt geworden war, beendeten Mecklenburg-Vorpommerns Behörden die bis dahin bestehende Zusammenarbeit.

Ermittler prüfen auch, ob es Verbindungen zur Gruppe "Nordkreuz" gibt

Das Verfahren beruhe auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin gegen den gesondert Verfolgten Frank T., den damaligen Inhaber der Firma in Güstrow. Wegen der herausgehobenen Bedeutung habe die Generalstaatsanwaltschaft Dresden nun Verfahren gegen sächsische Polizeibeamte von der Schweriner Staatsanwaltschaft übernommen.

Die bei der Durchsuchung sichergestellten Gegenstände sollen nun ausgewertet werden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft weiter mit. Ferner prüfe man, ob es Verbindungen zu der Gruppe "Nordkreuz" gibt. Bislang lägen dafür aber keine Anhaltspunkte vor. Hinter "Nordkreuz" verbirgt sich eine mutmaßlich rechtsextreme Prepper-Gruppierung. Anhänger dieser Szene bereiten sich mit dem Horten von Vorräten auf einen Katastrophenfall, den "Tag X", vor. Zum Teil legen sie auch illegale Waffenlager an und führen - wie im Fall "Nordkreuz" - Listen mit Namen politischer Gegner.

© SZ/dpa/jsa
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