Russland Pussy-Riot-Mitglieder vorerst freigelassen

Veronika Nikulshina und die anderen Pussy-Riot-Aktivisten kommen frei.

(Foto: AFP)
  • Vier Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot sind nach ihrer Protestaktion beim WM-Finale vorerst auf freiem Fuß.
  • Doch bereits eine erste Haftentlassung wurde jäh revidiert.
  • Die Aktivisten kritisieren, dass sie für eine Aktion mehrfach belangt werden sollen.

Die vier festgenommenen WM-Flitzer von Pussy Riot sind überraschend aus dem Polizeigewahrsam frei gekommen. Die Aktivisten seien frei, ein zweites Verfahren gegen sie sei laufe aber noch, teilte die russischen Polit-Punkband mit.

Nachdem Veronika Nikulschina, Olga Kuratscheva, Olga Pachtusowa und Pjotr Wersilow beim Endspiel der Fußball-WM Mitte Juli in Polizeiuniformen auf das Feld gerannt waren, wurden sie wegen Regelverstoßes bei einer Veranstaltung zu 15 Tagen Arrest verurteilt. Mit der Aktion forderten die Aktivisten Meinungsfreiheit in Russland und der Freilassung politischer Gefangener. Am Montag wurden sie nach Ablaufen der Strafe sofort wieder abgeführt.

Im zweiten Verfahren geht es nun um einen anderen Paragrafen: Organisation und Abhalten eines öffentlichen, unangemeldeten Auftritts. Ihnen drohen dafür wieder mehrtägige Arreststrafen. Pussy Riot kritisierte, dass die Aktivisten zum zweiten Mal wegen derselben Aktion verurteilt werden könnten. Am kommenden Freitag müssen sich die Mitglieder erneut bei der Polizei melden. Dann könnten sie mit weiteren 25 Tagen Gefängnis belegt werden.

Pussy Riot ist vor allem bekannt für eine Protestaktion 2012 in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale: Dort hatte die Gruppe ein "Punk-Gebet" aufgeführt, in dem sie Putin offen kritisierte. Wegen "Rowdytums" und "Aufwiegelung zu religiösem Hass" wurden drei Bandmitglieder zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt. Bei Jekaterina Samuzewitsch wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt, Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Alechina waren nach 22 Monaten freigekommen.

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