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Russischer Präsident:Was Putin wirklich in Syrien will

Russian President Vladimir Putin visits Rostov region

Nächste Woche spricht der russische Präsident auf der UN-Generalversammlung in New York.

(Foto: dpa)

Russland schickt Panzer und Militärflugzeuge nach Syrien. Putin sagt, er wolle damit die Terrormiliz IS bekämpfen. Sonst nichts? Nahost-Experte Nikolay Kozhanov gibt Antworten.

Von Julia Ley

Erst waren es Landungsschiffe und Marinesoldaten, dann Kampfjets, Panzer und Drohnen. Seit Anfang des Monats lässt der russische Präsident Wladimir Putin fast täglich neue Waffen nach Syrien liefern - angeblich um den IS zu bekämpfen. Im Westen fürchtet man, dass Russland sogar Bodentruppen schicken könnte. Was Putin in Syrien vorhat, hat er jetzt in einem Interview mit dem US-Sender CBS erstaunlich offen erklärt: Er will Assad retten.

Nächste Woche spricht der russische Präsident auf der UN-Generalversammlung in New York. Nikolay Kozhanov forscht für den britischen Think Tank Chatham House und das Carnegie Moscow Centre zu Russland und dem Nahen Osten. Im Interview erklärt er, warum jetzt alles davon abhängt, wie Putin in den USA aufgenommen wird.

SZ.de: Herr Kozhanov, seit fünf Jahren wütet in Syrien der Bürgerkrieg. Warum hat sich Putin gerade jetzt entschieden, mehr Truppen nach Syrien zu verlegen?

Nikolay Kozhanov: Wegen der schlechten Lage dort: Seit April dieses Jahres verliert das syrische Regime immer mehr Land an die Rebellen. Die Russen befürchten, dass das Assad-Regime den Konflikt nicht überleben könnte. Nun versuchen sie Assads Verluste auszugleichen. Sie wollen sicherstellen, dass Assad zumindest so lange an der Macht bleibt, bis es zu Friedensverhandlungen zwischen dem Regime und Teilen der Opposition kommt.

Das Aufrüsten soll also dem Frieden dienen?

Die Russen fahren zweigleisig: Einerseits wollen sie Assad militärisch stärken, andererseits intensivieren sie ihre diplomatischen Bemühungen. Putin hat zuletzt mit vielen geredet: Mit den Amerikanern, mit den Europäern, mit den Golf-Staaten, mit Jordanien und den Ägyptern.

Haben Sie eine Vermutung, was dort besprochen wurde?

Man kann nur spekulieren. Wahrscheinlich möchten die Russen auf Friedensgespräche zwischen Assad und Teilen der gemäßigten Opposition hinwirken. Dadurch wollen sie erreichen, dass Syrien in seinen bisherigen Grenzen bestehen bleibt. Außerdem will Putin gemeinsam mit dem Westen eine neue Anti-IS-Koalition bilden. Letztlich unterscheiden sich die Ziele der Russen also kaum von denen der internationalen Gemeinschaft. Der Unterschied liegt vor allem in der Frage des "wie": Sie wollen Assad noch eine Weile an der Macht halten.

Warum spielt Assad für die Russen eine so wichtige Rolle?

Es geht den Russen nicht um die Person Assad, aber um das Regime an sich. Es ist ihnen extrem wichtig, dass eine politische Lösung zumindest Überreste des jetzigen Regimes beinhaltet. So wollen sie sicherstellen, dass zumindest ein Minimum an funktionierender Infrastruktur und Institutionen bestehen bleibt, auf denen ein neuer Staat aufgebaut werden könnte.

In vielen Teilen Syriens gibt es das doch schon längst nicht mehr: Etwa die Hälfte des Landes ist bereits in Händen des IS. Im Westen halten die Rebellen große Territorien, im Norden bauen die Kurden gerade eine Selbstverwaltung auf.

Die Russen vergleichen Syrien mit Libyen und dem Irak - dort haben die Interventionen zu einer Auflösung aller Institutionen geführt, die Länder versanken im Chaos. Selbst die Amerikaner erkennen das mittlerweile an. Und das wollen die Russen in Syrien vermeiden. Deshalb halten sie am Regime fest - weil dessen Institutionen zumindest teilweise noch funktionieren. Weder den Rebellen noch dem IS ist es bisher gelungen, Vergleichbares aufzubauen. Deshalb sieht Putin Assad momentan als alternativlos.

Warum ist Syrien für die Russen überhaupt so wichtig?

Heute geht es vor allem um Sicherheit. Russland ist sehr besorgt darüber, dass mittlerweile über 3000 russisch sprechende Kämpfer in den Reihen des IS kämpfen.

Hat Putin Angst, dass sie in Russland Anschläge verüben könnten?

Das ist möglich. Aber noch wichtiger ist, was passiert, wenn Assad fällt. Dann könnten diese Kämpfer ihren Kampf nach Russland hineintragen. Außerdem gibt es mindestens 1500 Dschihadisten aus den zentralasiatischen Republiken, die ihren Dschihad auf diese Länder ausweiten könnten. Russland betrachtet die Region noch immer als seinen Einflussbereich.

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