Rüstung:Was für Meads sprach

Suder aber nahm sich Zeit - dabei hat man davon gar nicht mehr übermäßig viel. Zwar ist das Ende der sogenannten Nutzungsdauer des Patriot-Systems auf das Jahr 2025 taxiert - aber es dürfte auch noch etwa zehn Jahre dauern, bis das neue System zur Verfügung steht, das ja auf der Basis von Meads erst noch fertig entwickelt werden muss. Von der Leyens Leute wollten offenbar sichergehen, dass sie kein Detail übersahen.

Nach Angaben aus Ministeriumskreisen sprach für Meads unter anderem, dass es in einem 360-Grad-Radius Ziele erfassen und bekämpfen können soll. Auch bei den sogenannten Lebenszyklus-Kosten, den auf 30 Jahre gerechneten Gesamtkosten, soll es einen Vorteil für die Meads-basierte Lösung gegeben haben, die mit weniger Leuten und Geräten betrieben werden kann: Während die Experten hier auf etwa zehn Milliarden Euro kamen, waren es bei Patriot etwa 13 Milliarden Euro.

Ein weiteres Rüstungsdesaster soll vermieden werden

Trotzdem - Risiken werden bei solchen Entwicklungsvorhaben stets bleiben. Von der Leyens Mannschaft hat sich vorgenommen, sie mit einer Art konditionierter Entscheidung zu minimieren. So soll es sogenannte Meilensteine geben - Punkte also, an denen noch in einem möglichst frühen Stadium ein Ausstieg möglich ist, wenn Zwischenziele nicht erreicht werden. Das erste wesentliche Ziel etwa, so heißt es in Ministeriumskreisen, sei die Entwicklung eines "Exciter"-Geräts, einer Art Steuerungsbox für das Radar.

Mehrere weitere Vorkehrungen sollen zudem sicherstellen, dass es kein weiteres Rüstungsdesaster gibt: So soll der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin so eng wie möglich eingebunden werden, um mögliche Schwachstellen der MBDA Deutschland auffangen zu können, die nach eigenen Angaben etwa 1300 Mitarbeiter beschäftigt. Außerdem sollen Juristen und Techniker aus dem Behördenapparat des Ministeriums ein eigenes Steuerungsteam für das Projekt bilden.

Anders als häufig bei großen Rüstungsprojekten gibt es hier einen echten Wettbewerb zwischen zwei Anbietern. Im Ministerium hofft man daher darauf, dass der Patriot-Hersteller Raytheon in Lauerstellung bleibt - man also womöglich doch noch umschwenken könnte, falls die MBDA das Projekt nicht gestemmt bekommt. Zumindest bis der Vertrag unterschrieben ist, dürfte Raytheon die Sache tatsächlich nicht endgültig abschreiben. Und das soll erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 geschehen.

Der CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn lobt: "Das konditionierte Vorgehen stellt sicher, dass die Entwicklung auch wirklich funktioniert." Meads garantiere zudem "sicherheitspolitische Souveränität".

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