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Republikaner-Kandidat Newt Gingrich:Netzwerk alter Parteifreunde

Gingrich setzt auf gnadenlos populistische Botschaften. Seit Wochen wird in den USA darüber spekuliert, dass der Benzinpreis im Sommer auf fünf Dollar die Gallone (umgerechnet ein Euro der Liter) hochschnellen könnte. Gingrich verspricht, den Preis auf 2,50 Dollar zu drücken - völlig unrealistisch, aber es kommt auf die Schlagzeilen an. Und die Auseinandersetzung mit Romney bringt er auf die Formel: "Er hat die Macht des Mammons, ich habe die Macht der Menschen." Das sagt er in Anspielung auf Romneys millionenschweren Wahlkampf - unterschlägt aber, dass allein die Schecks des Glückspielmoguls und Milliardärs Sheldon Adelson es ihm möglich machen, im Rennen zu bleiben.

Das spüren natürlich selbst treue Anhänger. So fragt ihn einer der Frühstücksgäste in Cobb County vorsichtig nach seiner weiteren Strategie. Gingrich breitet seine Arme aus und macht das, was er immer tut, wenn er in der Defensive steckt: Er geht zum Angriff über. "Es wird ein Durchhaltetest", sagt er, "Romney kann den Sack nicht zumachen." Und dann verweist er auf all die Vorwahlen, die nach dem Super Tuesday kommen.

In Mississippi sehe es gut aus für ihn, in Alabama und Arkansas. "Texas wählt erst Ende Mai - 155 Delegierte", Gingrich hat die Zahlen genau im Kopf. In Kalifornien stimmen sie gar erst im Juni ab ("der größte Preis - 172 Delegierte"). Wenn man hört, wie Gingrich die Daten herunterrattert, dann könnte man den Eindruck gewinnen, er glaube tatsächlich noch an seine Chance.

In Georgia zumindest kann Gingrich darauf setzen, dass ihm das Netzwerk alter Parteifreunde zum Sieg verhilft. Hier ist es das Partei-Establishment, das Gingrich sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu beschimpfen pflegt, das zu ihm steht - und die Basis mobilisiert. Harry Geisinger zum Beispiel, ein Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Georgia. Er kennt Gingrich noch aus Studentenzeiten in Atlanta. "Ich bin mit einem Sixpack Bier zu ihm gekommen, und dann haben wir über Politik geredet. Er ist der klügste Kandidat. So einen brauchen wir."

Oder Carolyn Meadows, die bei der unter Konservativen so einflussreichen National Rifle Association, der Waffenlobby, im Vorstand sitzt. Auch sie ist seit Jahrzehnten mit Gingrich befreundet. Gingrich begrüßt sie mit Wangenkuss, als er sie bei einem Wahlkampfstopp in Woodstock, eine knappe Stunde nördlich von Atlanta, erspäht. Sie wird ihn unterstützen, aus alter Verbundenheit. Doch auch sie weiß, dass Gingrich das Netzwerk alter Freunde außerhalb Georgias nicht hat.

Nie indes würde sie sagen, er habe keine Chance mehr und wisse das auch. Sie formuliert es anders. "Wissen Sie, wenn Newt vor einem großen Berg steht, und sei es der Mount Everest", sagt sie, "er würde einen Weg finden hinaufzukommen. Grenzen gibt es nicht für ihn."