Rechtsextremist "Corelli":"Rosaroter-Panther"-Formulierung wie der NSU

Corelli stellte auch Speicherplatz für das Neonazi-Magazin Der Weisse Wolf zur Verfügung, in dem bereits nach der Jahrtausendwende eine Grußbotschaft mit NSU-Bezug auftauchte. Corelli war in vielen Online-Foren unterwegs. Einer seiner Beiträge endete am 13. Juni 2006 mit den Worten: "In diesem Sinne: Heute ist nicht aller Tage..." Diesen aus der Zeichentrickserie "Der rosarote Panther" bekannten Spruch benutzen später auch die NSU-Terroristen.

Bei Vernehmungen hat Corelli Kontakte zum NSU bestritten. Sein Name fand sich jedoch 1998 auf einer Kontaktliste von Uwe Mundlos. Mindestens ein Treffen der beiden - vor Mundlos' Untertauchen - gilt als belegt. Denn Corelli gab Daten über Mundlos weiter ans Amt. Das war 1995. Das Treffen soll bei der Bundeswehr gewesen sein, vermutlich im Sanitätszentrum in Gera. Über den NSU lieferte Corelli den Behörden dann jedoch keine Informationen - soweit sich dies aus den Akten ergebe, die er habe einsehen können, heißt es vorsichtig in Montags Bericht.

Corelli kam aus Halle an der Saale. Er hatte seine Dienste zunächst dem Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt angeboten, auch vom nordrhein-westfälischen Inlandsgeheimdienst kassierte er mal Geld. Später übernahm ihn das Bundesamt und führte ihn mit einer zweijährigen Unterbrechung von 1994 bis 2014. Nach einer Enttarnung im Jahr 2012 lebte Corelli unter neuem Namen in Paderborn, weiterhin betreut von Beamten des Bundesamts. Als sie ihn im April 2014 besuchen wollten, lag er tot auf dem Bett. Vor seinem Tod soll er im Internet noch nach Ärzten gesucht haben.

Corelli ist mehrmals straffällig geworden, unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen des Zeigens von Bildern mit Hakenkreuzen im Internet. Bei einer Hausdurchsuchung wurde die Kampschrift "Der Weg vorwärts" gefunden. Darin wird für eine zellenartige militante Organisation plädiert, die Anschläge auf Migranten verüben soll. Durchsuchungen gab es bei Corelli häufiger, die Polizei wusste wohl im Regelfall nicht, dass er V-Mann war.

In einem Fall vor 20 Jahren sei aber das Bundeskriminalamt (BKA) vom Verfassungsschutz gebeten worden, dieses vor Maßnahmen zu informieren. Das BKA ließ sich offenbar darauf ein. Es sei "befremdlich", so Jerzy Montag, dass ein Verfassungsschützer als Zeuge im NSU-Untersuchungsausschuss sich dazu verstiegen habe, dass es solch Einflussnahmen nie gegeben habe.

Es sei "vielfach" gegen Thomas Richter alias Corelli ermittelt worden, heißt es in dem Bericht für das Kontrollgremium. Obwohl der V-Mann immer wieder dazu angehalten worden sei, keine Straftaten zu begehen, "zeigt seine Entwicklung, dass dies in rechtsextremistischen und neonazistischen Szenen nicht möglich ist". Die Belehrungen des V-Manns durch seine V-Mann-Führer seien ihm "unehrlich" vorgekommen, schreibt der Sonderermittler. Eine Vielzahl der begangenen Straftaten müsse sich das Bundesamt für Verfassungsschutz "zurechnen lassen".

Querulant bei der Bundeswehr

Der Sonderermittler Jerzy Montag erhielt Zugang zu Akten nicht nur beim Bundesamt für Verfassungsschutz, sondern auch bei anderen Behörden. Nach offenbar intensiven Recherchen machte er beispielsweise auch die alten Wehrpflichtakten von Thomas Richter alias Corelli ausfindig. Bei seiner Musterung gab Richter an, die Hauptschule ohne Abschluss verlassen und keinen Beruf erlernt zu haben.

Richter schrieb, er wolle den Dienst mit der Waffe verweigern; der Brief wurde aber offenbar nicht als offizieller Antrag gewertet. Da er nicht zum Einberufungstermin erschien, suchten ihn die Feldjäger. Schließlich ging er doch zur Bundeswehr, wo er umgehend über zahlreiche angebliche Gebrechen klagte. Er erwähnte damals auch, dass sein Vater Diabetes gehabt habe.

Bei der Bundeswehr erschien er den Vorgesetzten schnell als Querulant. Ihm wird eine "Leistungsfunktionsstörung" attestiert. Schließlich stellte Richter doch noch einen richtigen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. Ihm wurde stattgegeben.

Es sei "auffällig", schreibt der Sonderermittler, dass ein Mann, der seit seinem 16. Lebensjahr in einer neonazistischen Umgebung sozialisiert wurde, "sich plötzlich als pazifistischer Kriegsdienstverweigerer outet". Und es sei nicht ausgeschlossen, dass der Verfassungsschutz seinem Spitzel bei der Verweigerung sogar noch geholfen habe.

© SZ.de/odg
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