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Rechtsextremismus:Sich Rechten entgegenstellen

Mit der Gewöhnung geht es ja schon los bei der speziellen Situation, in der sich Schaper befindet. Seit sie vor mehr als zwei Monaten ihre Räume verlor, hat sie keine neuen gefunden - aber zehn Absagen kassiert: "Wir haben hier im Viertel sogar Scouts eingesetzt, die schauen, wo etwas frei wird - aber sobald die Vermieter hören, dass ich die Suchende bin, sagen sie ab." Sie berichtet von der Schnapsidee, eine Genossenschaft zu gründen und darüber Bürofläche zu erwerben - und fügt hinzu, dass diese Idee noch nicht aus der Welt sei. Irgendetwas müsse man ja tun.

Ausweichen auf einen anderen Stadtteil kommt dabei nur bedingt infrage. Wenn ihre Privatadresse in rechten Foren veröffentlicht werde, und wenn sich an ihrem Stand in der Stadt mal wieder rechte Grüppchen einfänden, "dann ist man gerade als Mutter manchmal geneigt, einfach aufzuhören", sagt Schaper. Aber sie sagt auch, dass sie Haltung nicht nur predigen, sondern zeigen wolle. "Und ich hoffe, dass niemals der Beweis angetreten wird, dass das falsch ist."

Susanne Schaper sagt, sie wünsche sich jetzt vor allem drei Dinge. Erstens, dass sie wieder einen Raum finde. Zweitens, "dass ich nicht mehr als Uschi bezeichnet" werde - gemeint im konkreten Sinne eines Nutzerkommentars im Internet wie auch im übertragenen der vielen Beleidigungen anderswo, die Schaper entgegengebracht werden.

Schapers dritter Wunsch ist ein grundsätzlicher, der über ihren Fall hinausweist. Sie wünsche sich, dass die Gewöhnung ein Ende nehme und Empörung und Entgegentreten wieder normal sei. "In dieser ganz schnellen Welt muss das Herz endlich wieder mitreden", sagt Schaper - und blickt ein wenig ratlos auch auf ihre Nachbarschaft. Es gehe ihr um mehr Respekt und, ja, Liebe im Miteinander. So, wie es sei, sei es doch verrückt: "Wir können zum Mond fliegen, aber wissen nicht mehr, wie man dem Nachbarn guten Tag sagt."

© SZ vom 05.01.2017/mvm

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