Rechtsextremismus:Meistens sind die Nazis ein ziemlich jämmerlicher Haufen

Nun sitzt "Die Rechte" selbst im Parlament, ist Teil des Systems, das sie doch bekämpfen wollte. "Sie sind in eine Falle getappt", sagt Sierau. "Im Rat sitzen und Anträge stellen, das ist nicht sonderlich sexy. Deren Anhänger wollen Action", sagt der Antifaschist Rutkowski. Also machen sie eine Menge Lärm, verschicken Todesanzeigen an ihre Kritiker. Der "Stadtschutz" patrouilliert nach SA-Vorbild, auf Demos rufen die Nazis "Anne Frank war esskrank."

Meistens ist es aber nur ein ziemlich jämmerlicher Haufen, der sich da zusammenfindet und oft von Gegendemonstranten in die Flucht geschlagen wird. "Die haben ziemlich eins auf die Fresse bekommen", sagt der Oberbürgermeister. Deshalb auch die Aggressivität.

Die Dortmunder Nazis, sie waren auch das Thema des letzen TV-"Tatorts" aus der Stadt, den es noch nicht so lange gibt, und dessen Kommissar Faber einer der härtesten und interessantesten Ermittler ist. Im Januar kämpfte er gegen "Braungelb", was nicht alle in Dortmund für eine faire Darstellung der Stadt sahen. "Da müssen wir einfach durch", sagt Sierau.

"Die Polizei ist nicht auf dem rechten Auge blind", sagt der Bürgermeister.

Er und sein Polizeipräsident Gregor Lange standen ziemlich in der Kritik, seit die Rechten das Rathaus stürmen konnten. "Da ist noch Luft nach oben", sagt Rutkowski über den Polizeipräsidenten. In der Behörde sagen manche, nicht alle Polizisten hielten die harte Kante gegen rechts, die so viele Jahre praktiziert wurde, für eine gute Idee. Im November wurde ein Disziplinarverfahren gegen einen Beamten eingeleitet, der selbst einer rechten Gruppe angehört.

"Die Polizei ist aber nicht auf dem rechten Auge blind", sagt Sierau. Nur manchmal etwas defensiv, finden Antifaschisten wie Rutkowski. Er erhofft sich mehr Unterstützung durch die Öffentlichkeit.

Ein Mitglied der Partei "Die Rechte", Michael Brück, studiert an der benachbarten Ruhr-Uni in Bochum Jura. Die Hochschule ist bislang kaum durch entschiedenes Auftreten gegen rechts aufgefallen. Zwar wurden bis vor Kurzem Workshops zum Thema Rechtsextremismus angeboten, diese fanden aber nur wenige Teilnehmer. Auf den damals eingerichteten Internetseiten erscheint nun nur eine Fehlermeldung. Was vielleicht wirklich ein Fehler ist.

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