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Reaktionen auf Romneys Vize in den USA:Polarisierer Paul Ryan

Lob von rechts, Abscheu bei den Demokraten: Die Entscheidung Mitt Romneys mit Paul Ryan in den Wahlkampf um die US-Präsidentschaft zu ziehen, sorgt in den USA für ein widersprüchliches Echo. Bei der Tea Party ist die Freude groß, die Demokraten sprechen von Verantwortungslosigkeit.

Die Wahl Paul Ryans zum Vize-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner polarisiert den Wahlkampf in den USA. Im eigenen Lager ernete der Kandidat viel Zuspruch, gleichzeitig überzogen die Demokraten Ryan mit scharfer Kritik.

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Paul Ryan und Mitt Romney (im Hintergrund) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Manassas im US-Bundesstaat Virginia: Als radikaler Sanierer polarisiert der Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten die politischen Lager in den USA.

(Foto: AFP)

Präsident Barack Obama setzte zum rethorischen Faustschlag an: "Ryan wird bei den Reichen die Steuern senken. Die Last müssen die Mittelschicht und die Rentner tragen. Er hat die rücksichtslose Politik von Präsident George W. Bush mitgetragen, die unser Defizit erhöht und unsere Wirtschaft zerstört hat", so der oberste Demokrat in einer schriftlichen Reaktion.

In einer E-Mail bezeichnete Obamas stellvertretender Wahlkampfmanager Jim Messina das Team Romney/Ryan als Gefahr für die Mittelschicht und ältere Bürger: "Ryan hängt der unzutreffenden Theorie an, dass Steuersenkungen für die Reichen bei gleichzeitiger Erhöhung der Lasten für die Mittelschicht und die Senioren irgendwie eine stärkere Wirtschaft nach sich ziehen", schrieb Messina in seiner Mitteilung.

Auch die Gewerkschaften ließen kaum ein gutes Haar an Ryan, der sich seinen Namen als radikaler Sanierer gemacht hat. "Romney demonstriert dem amerikanischen Volk, dass er glaubt, die extremistische und unverantwortliche Anti-Arbeiter-Agenda des Kongressabgeordneten Ryan sei richtig für unser Land", sagte Mary Kay Henry von der Dienstleistungsgewerkschaft SEIU dem Fernsehsender ABC.

Der Verband "PAC American Bridge", der Obama im Wahlkampf unterstützt, stellte die Seite meetpaulryan.com ins Internet, auf der Hunderte von Seiten mit belastendem Material über Ryan zusammengetragen sind.

"Umwerfend, was sein Intellekt angeht"

Von Vertretern auf der anderen Seite des politischen Spektrums bekam Ryan hingegen das erwartete Lob. Romney habe eine großartige Wahl getroffen, schrieb Matt Kibbe, ein Vertreter der Tea Party, in einem Beitrag für das konservative Nachrichtenportal Newsmax.com: "Das Romney-Lager ist endlich bereit, die großen Themen zu adressieren, auf die es bei dieser Wahl am meisten ankommt. Es reicht nicht aus, zu sagen, dass Obama versagt hat. Das wissen wir. Präsidenten im Amt sollten bei einer anhaltenden Arbeitslosenquote von acht Prozent und Staatsschulden atemberaubenden 18 Billionen Dollar die Wiederwahl nicht gewinnen .(...) Paul Ryan weiß, dass wirtschaftliches Wachstum von Unternehmensgründern kommt, die für den Erfolg kämpfen."

Auf Fox News, dem Haussender der Republikaner, erklärte Dick Morris, ehemaliger Berater von Bill Clinton: "Dieser Kerl ist umwerfend, was sein Intellekt angeht. (Vizepräsident, Anm. der Red.) Joe Biden ist ok, aber er ist kein kolossales Brain. Ich denke, Ryan wird ihn bei einer Debatte in alle Teile auseinandernehmen."

© Süddeutsche.de/pak

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