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Reaktion auf Atombombentest in Nordkorea:Südkorea beschleunigt Raketenprogramm

Nordkorea baut mit seinem Atombombentest eine Drohkulisse auf - der Süden des Landes reagiert prompt: Die Regierung in Seoul will ihr Programm zur Entwicklung neuer Raketen beschleunigen. Jedes Ziel im Nachbarland soll mit den Flugkörpern erreichbar sein.

Nach dem Atomwaffentest Nordkoreas will die Regierung in Südkorea ihre Verteidigung stärken. "Wir werden die Entwicklung von ballistischen Raketen mit einer Reichweite von 800 Kilometern beschleunigen", kündigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul an. Raketen mit einer solchen Reichweite könnten ganz Nordkorea treffen, aber auch Teile Chinas und Japans.

Nordkorea droht indes weiter. Insbesondere die USA sind Ziel der Anfeindungen. Ob "zweite und dritte härtere Maßnahmen ergriffen werden", hänge ganz von den USA ab, hieß es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Der Regierung in Washington wurde erneut eine feindselige Politik unterstellt. Der dritte Atomtest am Dienstag habe der Selbstverteidigung des kommunistischen Landes gedient.

USA und Südkorea wollen Maßnahmen gegen Nordkorea ergreifen

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor in einem Telefongespräch mit dem scheidenden südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak bekräftigt, dass Südkorea weiter unter dem "atomaren Schutzschirm" der USA stehe. Beide Präsidenten hätten vereinbart, eng zusammenzuarbeiten, um Maßnahmen gegen Nordkoreas Atom- und Raketenprogramme zu ergreifen und das Risiko der Weiterverbreitung von Atomwaffen zu verringern, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Die Zusammenarbeit schließe auch die Koordination im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein.

Der Weltsicherheitsrat hatte den Atomtest scharf verurteilt und angekündigt, sofort mit der Arbeit an einer neuen Resolution zu Nordkorea zu beginnen, die angemessene Maßnahmen beinhalten werde. Erst im Januar hatte das mächtigste UN-Gremium mit einer Resolution die bereits bestehenden Sanktionen gegen das kommunistische Land ausgeweitet.

Konfrontationskurs gegen die internationale Gemeinschaft

Der Rat hatte damit auf einen umstrittenen Raketenstart der Nordkoreaner im Dezember reagiert. Die Führung in Pjöngjang hatte daraufhin weitere Atom- und Raketentests angekündigt.

Mit der unterirdischen Zündung einer nuklearen Sprengladung, der dritten nach 2006 und 2009, hatte Nordkorea am Dienstag seinen Konfrontationskurs gegenüber der internationalen Gemeinschaft fortgesetzt. Es habe sich um einen "leichteren, miniaturisierten" Sprengsatz gehandelt, hieß es. Der Test fand wie die beiden ersten Versuche auf dem Testgelände in Punggye-ri im Nordosten des Landes statt. Nach Schätzungen verschiedener Messstellen außerhalb Nordkoreas wurden durch die Explosion Erdstöße der Stärke 4,9 bis 5,2 ausgelöst.

© Süddeutsche./dpa/AFP/rela/infu

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