Rania von Jordanien Angriff auf die Königin

Im Westen wird sie verehrt, weil sie ein Gespür für den Zeitgeist hat. Doch jetzt erzürnt Jordaniens Königin Rania die Beduinen-Führer ihres Landes. Die rücken sie in die Nähe der verschwenderischen Frau von Tunesiens Ex-Diktator Ben Ali.

Von Peter Münch

Die Königin hat ein Gespür für den Zeitgeist. Als in Kairo das Volk den Sieg über Präsident Hosni Mubarak feierte, da wünschte Jordaniens Herrschergattin Rania den Revolutionären alles Gute. Ägypten möge "in der neuen Ära Sicherheit und Wohlstand erleben", verbreitete die Königin zu Wochenbeginn über ihre eigene Internetseite.

Sie verstört die dominierende Männerwelt ihres Landes: Königin Rania von Jordanien.

(Foto: AP)

Von ihrem Ehemann Abdallah II. war dazu nichts zu hören, wahrscheinlich ist er gerade ziemlich beschäftigt. Schließlich muss er verhindern, dass auch in seinem Land eine neue Ära ausbricht, wenn der Geist des ägyptischen Aufruhrs nach Jordanien hinüberweht. Das zwingt ihn zu manch schwierigem Balanceakt - und seine Ehefrau macht ihm das Balancieren in diesen Tagen nicht gerade leichter. Denn Königin Rania droht ins Zentrum des jordanischen Machtkampfs zu geraten.

Im Kern geht es dabei um den schwelenden Dauerkonflikt zwischen den alteingesessenen Beduinenstämmen und den palästinensischen Flüchtlingen, die mittlerweile mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Rania entstammt einer palästinensischen Familie, die 1967 aus dem Westjordanland geflohen war.

Einerseits ist das vorteilhaft für den haschemitischen Herrscher, der dank seiner Gemahlin eine Brücke zu den palästinensischen Untertanen bauen kann. Andererseits aber ist die Königin vom westlichen Jordanufer den traditionell staats- und monarchietragenden Stämmen vom Ostufer per se verdächtig - und dieses Misstrauen wird zusätzlich genährt durch Ranias forsches Auftreten.

Im Westen wird die schöne Königin als eine Art "Diana des Orients" verehrt, zu Hause aber verstört sie schon lange die dominierende Männerwelt. Die vierfache Mutter macht sich für Frauenrechte und für Bildung stark, statt Kopftuch trägt sie westliche Designermode. Überdies nutzt sie geradezu vorbildlich jene neuen Medien, mit deren Hilfe die arabische Jugend gerade gegen die verkrusteten Regime der Region ankämpft.

Das Magazin Forbes hat Rania deshalb als "Social Media Queen" in die Liste der 100 einflussreichsten Frauen der Welt aufgenommen - mit 1,3 Millionen Anhängern auf Twitter, 300.000 Fans auf Facebook und einem eigenen YouTube-Kanal. Für die Konservativen im jordanischen Königreich bietet Rania also reichlich Angriffsflächen.