Putins Machtzirkel Das Kreml-Kollektiv

Russlands Präsident Wladimir Putin und Ministerpräsident Dmitri Medwedew : Am Tag der Verteidiger des Vaterlandes gedenkt Russland der Gründung der Roten Armee.

(Foto: dpa)

Der "Darth Vader" Russlands, alte Bekannte aus Sankt Petersburg und ein brutaler Provinzfürst: Seit 18 Jahren trifft Putin in Russland am Ende jede wichtige Entscheidung selbst - sein Machtzirkel ist dennoch von immenser Bedeutung. Eine Übersicht über die wichtigsten Figuren.

Von Paul Katzenberger, Moskau

Es erscheint, als entscheide in Russland seit 18 Jahren nur ein Mann über alle wichtigen Dinge: Wladimir Wladimirowitsch Putin, der die jüngste Präsidentschaftswahl gewonnen hat und inzwischen rein imagetechnisch mit dem Staat gleichzusetzen ist. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Zwar fällt der 65-Jährige tatsächlich so gut wie alle entscheidenden Beschlüsse selbst, doch bedient er sich dabei des kollektiven Verstandes eines verhältnismäßig großen Machtzirkels um ihn herum: "Dutzende Menschen zerbrechen sich tagaus, tagein die Köpfe darüber, welche Entscheidungen Wladimir Putin fällen soll", schreibt der prominente russische Journalist Michail Sygar in seinem Buch "Endspiel - Die Metamorphosen des Wladimir Putin" von 2015, einer "Familienaufstellung der russischen Machtelite", die in Russland zum Bestseller wurde.

Die Leute, die sich da für Putin den Kopf machen, sind keineswegs frei von eigenen Machtansprüchen. Die Wandlungen, die Putin vom Reformer zum "schrecklichen Zar" durchlaufen habe, hätten vor allem mit diesem schillernden Gefolge zu tun, das jahrelang "alles daran setzte, selbst König zu spielen", schreibt Sygar. Russlands Machtelite ist sich jedoch darüber bewusst, dass sie von dem Zuspruch profitiert, den Putin im Volk genießt. Der Präsident sichert so die Pfründe ab, die sie an Einfluss und Besitztümern angehäuft hat. Sie alle eint eines: der Machterhalt.

Trotzdem rumort es bisweilen unter der Oberfläche. So hat etwa der starke Verfall des Ölpreises im Jahr 2014 die öffentlichen Haushalte unter Druck gebracht. Das stärkt die Position von Finanz- und Haushaltsexperten wie etwa Dmitrij Medwedjew, denn zum System Putin gehört auch die makroökonomische Stabilität, die der IWF immer wieder lobt. Andere hingegen, zum Beispiel der 2013 als stellvertretender Ministerpräsident entlassene Wladislaw Surkow, verloren an Bedeutung. Der Erfinder des euphemistischen Begriffes "gelenkte Demokratie" war nicht mehr gefragt, weil Putin sich dazu entschieden hatte, auf direkte Konfrontation mit dem Westen zu setzen.

Die Militärs machten zuletzt hingegen an Boden gut: Seit Russland in der Ost-Ukraine verdeckt und in Syrien offen Krieg führt, haben sie ihren Einfluss deutlich gesteigert. Am deutlichsten personifiziert Verteidigungsminister Sergej Schoigu diesen Bedeutungsgewinn. Er gilt heute als einer der mächtigsten Akteure der russischen Politik und gehört zu den sogenannten Silowiki. Das russische Wort für "Kraft" oder "Stärke" ("Sila") steht für Vertreter der Geheimdienste und des Militärs, die gewöhnlich national-konservative Meinungen vertreten und über großen Einfluss im politischen Apparat verfügen.

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