"Puma" Stolz der Bundeswehr hat ein Leck

Der Schützenpanzer Puma bei seiner Vorstellung im Sommer 2015.

(Foto: dpa)
  • Der laut Hersteller "leistungsfähigste und modernste Schützenpanzer der Welt" hat eine banale Schwachstelle: Durch die Dachluke kann Wasser eintreten.
  • Nach und nach soll der Schaden an den Fahrzeugen durch neue Dichtungen behoben werden.
  • Im Verteidigungsministerium sieht man das Leck nicht als großes Problem an: Der Rüstungsbericht erwähnt es mit keinem Wort.
Von Christoph Hickmann, Berlin

Der Puma ist der Stolz der deutschen Wehrtechnik. Vor gut einem Jahr bekam die Bundeswehr offiziell die Schlüssel für das Gefährt übergeben, bei dem es sich laut Hersteller um den "leistungsfähigsten und modernsten Schützenpanzer der Welt" handelt. Zwar funktionieren diverse Dinge noch nicht ganz so, wie sie sollen, zwar identifizierte das Verteidigungsministerium vor wenigen Monaten noch erhebliche Projektrisiken - doch im Prinzip sind sich alle einig, dass der Puma, wenn er irgendwann alles kann, was er können soll, ein vorzüglicher Panzer ist. Allerdings hat er noch ein weiteres, eher banales Problem: Er ist nicht ganz dicht.

Es geht um die Dachluke, genauer: um die "Zwei-Mann-Luke im hinteren Kampfraum", wie es im Verteidigungsministerium heißt. Sie ist undicht: Wenn es stark regnet, dringt Wasser ein. Auch mit einem Hochdruckreiniger sollte man dem Panzer nicht zu nah kommen. Im Ministerium ist das schon länger bekannt. Man habe den Mangel, nachdem die undichte Luke schon 2013 "in einem Einzelfall" aufgefallen sei, "im zweiten Quartal 2015 in der Nutzung bemerkt", heißt es im Ressort von Ursula von der Leyen (CDU).

Von September an soll der Schaden behoben werden

Die Rüstungsschmiede Rheinmetall, die gemeinsam mit Krauss-Maffei Wegmann den Puma baut, drückt die Sache so aus: "Unter realen Nutzungsbedingungen hat sich herausgestellt, dass die Dichtung der Dachluke beim Schützenpanzer Puma Verbesserungsbedarf aufweist." Aber wie konnte so etwas überhaupt passieren, ausgerechnet bei diesem Musterbeispiel deutscher Ingenieurskunst, das bei minus 20 Grad genauso getestet wurde wie bei plus 50 Grad? "Wie bei jedem neuen Fahrzeugsystem fließen auch beim Puma Erkenntnisse, die zu einer Optimierung des Produkts beitragen können, kontinuierlich in die laufende Serienproduktion ein", heißt es bei Rheinmetall. Der Fehler sei mittlerweile "erkannt und gebannt".

Tatsächlich hat die Industrie eine neue Dichtung konstruiert, die zum Teil bereits seit dem Frühjahr in neue Pumas eingebaut wird. Von September an, heißt es bei Rheinmetall, würden nun "alle neuen Serienfahrzeuge mit einer optimierten Dichtung ausgestattet". Derzeit verfügt die Truppe laut Ministerium über 78 der neuen Schützenpanzer. Seit dem 64. Serienfahrzeug würden die neuen Dichtungen eingebaut, sagt eine Sprecherin. Und die mangelhaften Dichtungen? Würden, wenn die Pumas ohnehin in die Wartung gingen, auf Kosten der Industrie sukzessive ersetzt. Das aber kann etwas dauern.

"Vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft"

Entsprechend unzufrieden ist der SPD-Verteidigungspolitiker Lars Klingbeil. Er fragt, "warum es vergleichsweise lange dauert, um ein vergleichsweise simples Problem zu beheben". Zudem habe er von dem Problem aus der Truppe erfahren. Das wundere ihn - schließlich habe von der Leyen "uns Parlamentariern größtmögliche Transparenz versprochen". Im jüngsten Rüstungsbericht des Ministeriums aber sei der Mangel nicht erwähnt.

Warum nicht? Wegen der "vergleichsweise geringen Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft", heißt es in einem Schreiben des Ministeriums. Übersetzt heißt das wohl: weil es sich um ein Bagatellproblem handelt. Fragt sich bloß, ob das die Panzergrenadiere auch so sehen, wenn es demnächst wieder herbstlich und regnerisch wird.

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