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Bundeswehr:Die Tiger fliegen wieder

Kampfhubschrauber Tiger

Ein Tiger-Hubschrauber im Einsatz. "Das Ziel bleibt, dass jeder Hubschrauber, der in die Bundeswehr ausgeliefert wird, auch fliegt", heißt es bei der Bundeswehr.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Nach zahlreichen Pannen sind nun 13 von 27 Kampfhubschraubern einsatzbereit.

Ursula von der Leyen hat sich für diesen Dienstag in Fritzlar angesagt. Die Verteidigungsministerin von der CDU will das Kampfhubschrauberregiment 36 "Kurhessen" besuchen und vielleicht ein paar positive Nachrichten verkünden. Erstmals seit längerer Zeit bieten ihr die Hubschrauber der Bundeswehr die Chance dazu.

Wobei - Hubschrauber? Bundeswehr? War da nicht was? Vor knapp zwei Jahren nahm die Öffentlichkeit erstaunt zur Kenntnis, in welch marodem Zustand sich das fliegende Gerät der Truppe befand. Von 43 Hubschraubern der Marine konnten damals lediglich vier fliegen. Kaum besser sah es beim Heer aus: Nur etwa ein Drittel der Kampfhubschrauber vom Typ Tiger stand zur Verfügung und nur ungefähr ein Viertel der Hubschrauber vom Typ NH90. Die Zahlen bildeten den Auftakt zu einer intensiven Debatte über Zustand und Ausrüstung der Bundeswehr - doch zumindest was die Hubschrauber des Heeres angeht, hat sich seither tatsächlich etwas getan.

Von 27 Tiger-Hubschraubern waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Juni immerhin 13 einsatzbereit, also knapp die Hälfte. Ein Jahr zuvor, im Juni 2015, waren es lediglich 5 von 24 gewesen. Ihrem Besuch in Fritzlar, wo der Tiger geflogen wird, dürfte die Ministerin daher zuletzt entspannt entgegengesehen haben - endlich mal keine Hiobsbotschaften.

Doch die Zahlen sind nicht nur für die Ministerin erfreulich, sondern könnten für die Truppe noch in ganz anderer Hinsicht relevant werden. Derzeit ist die Bundeswehr in Mali in der "Minusma"-Mission der Vereinten Nationen eingesetzt. Vermutlich Anfang 2017 wollen die Niederländer ihre Hubschrauber von dort abziehen, und derzeit wird bei den Vereinten Nationen geprüft, wie sie ersetzt werden könnten. Sollte eine Anfrage auf Deutschland zukommen, dann kämen sowohl der Tiger als auch der Mehrzweckhubschrauber NH 90 infrage. Da kommen die neuen Zahlen zur Einsatzbereitschaft gerade recht - zumal auch beim NH90, mit dem es immer mal wieder Probleme gibt, die Kurve offenbar nach oben zeigt: Im Juni waren hier knapp 45 Prozent der Maschinen einsatzbereit, ein Jahr zuvor waren es nur 27 Prozent.

Wie der Trend zu erklären ist? Ein Sprecher des Ministeriums verweist auf die "Task Force Drehflügler", die von der Leyen im Herbst 2014 einsetzen ließ, nachdem die desaströsen Zahlen bekannt geworden waren. Ergebnisse seien unter anderem eine "Verbesserung der Ersatzteillage" sowie die "Verbesserung des Inspektionssystems". Außerdem habe man die Ausbildung des technischen Personals "optimiert". Man erwarte, dass all dies zu einer "weiteren Erhöhung der Einsatzbereitschaft" führe. "Das Ziel bleibt, dass jeder Hubschrauber, der in die Bundeswehr ausgeliefert wird, auch fliegt", so der Sprecher.

Die Opposition ist da skeptischer. "Die leichte Verbesserung beim Klarstand der Hubschrauber kann nicht über eines hinwegtäuschen: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft bei der Bundeswehr eine immer größere Lücke", sagt die Grünen-Verteidigungspolitikerin Doris Wagner. Die Bundeswehr solle für "alle nur denkbaren Szenarien" bereit sein. "Tatsächlich aber verfügen selbst diejenigen Truppenteile, die besonders schnell einsatzbereit sein sollen, nicht einmal über ausreichend viele Hubschrauber, um die Piloten mit der nötigen Flugpraxis auszustatten."

Die Piloten haben in den vergangenen Jahren deutlich weniger Flugstunden absolviert

In der Tat brachten es Tiger-Piloten mit der Berechtigung für den Einsatz in der Division Schnelle Kräfte 2015 durchschnittlich auf etwa 75 Flugstunden - während es 2013 noch 105 gewesen waren. Beim NH90 sank die Zahl im selben Zeitraum von etwa 80 auf 45 Flugstunden, halbierte sich also fast. Das Ministerium betont jedoch, dass kein Pilot wegen fehlender Flugstunden seine Lizenz verloren habe. Die Abnahme erkläre sich "vorrangig durch die Nachbereitung des Einsatzes in Afghanistan", sagt ein Sprecher. "Hier waren umfängliche Materialerhaltungsarbeiten erforderlich, so dass die Anzahl der verfügbaren Luftfahrzeuge zunächst kleiner wurde." Doch nun gehe der Trend wieder nach oben.

Und die Marinehubschrauber, mit denen alles begann? Da sieht es nicht ganz so gut aus wie beim Heer - schließlich wurden etwa vom Typ Sea King schon 1975 die ersten Hubschrauber in Dienst gestellt. "Aber die Talsohle ist durchschritten", sagt ein Sprecher des Ministeriums. Inzwischen seien zwischen einem Viertel und einem Drittel der Marinehubschrauber einsatzbereit.