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Proteste gegen Mohammed-Darstellungen in Europa:Frankreich verbietet Demonstrationen

Bisher beschränkten sich die Demonstrationen auf islamische Länder. Doch nun erreichen die Proteste gegen den Film und die Karikaturen über den Propheten Mohammed auch Europa. Während in Deutschland starke Polizeiaufgebote bei Demonstrationen für Sicherheit sorgten, reagiert Frankreich mit einem generellen Verbot.

Die Proteste gegen die Darstellungen des Propheten Mohammed in einem Film und in Karikaturen weiten sich nach Europa aus. Während Frankreich eine restriktive Politik gegenüber angekündigten Demonstrationen verfolgt, verliefen in Deutschland die ersten Demonstrationen friedlich.

Demonstration gegen Islam-Video

Friedlicher Protest: In Freiburg zogen knapp 1000 Demonstranten durch die Straßen

(Foto: dpa)

Frankreich verbot am Freitag alle öffentlichen Proteste gegen die Karikaturen. Es werde keine Ausnahmen geben, sagte Innenminister Manuel Valls. Auch der größte französische Verband von Muslimen "Conseil Français du Culte Musulman" rief dazu auf, nicht auf die Straße zu gehen. "Jeder Protest könnte missbraucht werden und wäre kontraproduktiv", sagte Verbandspräsident Mohammed Moussaoui dem französischen Radiosender RFI. In Paris war die Polizei an zentralen Orten zu sehen, hielt sich jedoch im Hintergrund.

Auch in Deutschland hatte sich die Polizei für angekündigte Proteste gerüstet: Zu einer angemeldeten Demonstration in Freiburg kamen nach Angaben der Polizei 850 Menschen, die Veranstalter sprachen von 1000. Auf einem Plakat hieß es: "Die Würde des Propheten Mohamad ist unsere Würde".Die Kundgebung endete nach fast zwei Stunden friedlich. Weitere Demonstrationen gab es in Münster, wo die Polizei etwa 600 Teilnehmer zählte, und Cuxhaven, dort waren es etwa 100 Menschen.

Am 6. Oktober soll es eine Kundgebung in Berlin geben. Für den Nachmittag sei eine Kundgebung auf dem Wittenbergplatz im Stadtteil Schöneberg angemeldet, sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei. Ein privater Anmelder habe für die Veranstaltung unter dem Motto "Protest gegen das Blasphemie-Video" bis zu 500 Teilnehmer angekündigt.

"Großes Potenzial an Vorurteilen gegenüber dem Westen"

In Göttingen beschmierte ein 26-Jähriger zwei Moscheen und die Räume eines islamischen Vereins. Er habe die Tat zugegeben, sagte die Polizei. Er sprühte Beleidigungen wie Schweineköpfe mit Turban an die Wände der Einrichtungen, so die Polizei. Er muss sich nun in einem Verfahren wegen Sachbeschädigung verantworten.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) appellierte "an alle Seiten, mäßigend einzuwirken". Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hält das Video und die umstrittenen Karikaturen aus Frankreich aber nur für den Auslöser der Proteste. "Der eigentliche Grund ist, dass es ein großes Potenzial an Vorurteilen gegenüber dem Westen gibt", sagte Mazyek dem Fernsehsender Phoenix. "Die Völker dort haben über viele Jahre gelitten und Demütigungen erfahren."

Das in den USA gedrehte Video "Unschuld der Muslime" ruft seit Tagen weltweit Proteste hervor. In mehreren islamischen Ländern griffen Demonstranten daraufhin Botschaftsgebäude westlicher Länder an. So stürmten Libyer das US-Konsulat in Bengasi. Dabei starben vier Amerikaner, unter ihnen der amerikanische Botschafter Chris Stevens. Auch in den darauf folgenden Tagen kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen.

An diesem Freitag hatten viele Muslime zu erneuten Protesten nach dem Freitagsgebet aufgerufen. Frankreich schloss daher in etwa 20 islamischen Staaten französische Einrichtungen und Botschaften. Auch Deutschland verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen seiner Botschaften in der Region. Pakistan wurde am Freitag zum Schwerpunkt der Proteste.

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