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Proteste gegen Misswirtschaft:Abschied vom rosafarbenen Brasilien

Protest against the rise of public transport prices and the expen

"Sie da in Uniform, auch Sie werden ausgenutzt!" steht auf dem Schild, das eine Demonstrantin den Einsatzkräften vorhält

(Foto: dpa)

Rebellion war früher mal das Metier von Präsidentin Dilma Rousseff. Dass sie jetzt selbst mit einer Rebellion konfrontiert ist, muss sie im Innersten treffen. Noch lobt sie die Demonstranten, die Schattenseiten des Wirtschaftsbooms anprangern - und verspricht Wandel.

Als sich draußen die nächste Aufwallung des Volkszorns zusammenbraute, trafen sich die Rebellen von einst zur Krisensitzung. In einem Hotel am Stadtflughafen von São Paulo besprachen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff und ihr Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva die Lage, die sie selbst wahrscheinlich fast genauso überrascht hat wie den Rest der Welt. Bürgermeister Fernando Haddad war auch dabei, er hatte die Wirtschaftsmetropole erst vor Kurzem für die linke Arbeiterpartei PT erobert.

Am Nachmittag ging das Trio auseinander, danach protestierten im Zentrum wieder Zehntausende gegen Fahrpreiserhöhung und Geldverschwendung. In der Nacht lieferten sich einige wenige Chaoten unter den ansonsten sehr friedlichen Demonstranten Scharmützel mit der Militärpolizei. Dilma Rousseff und Lula da Silva fragen sich: Wie konnte es ausgerechnet in ihrer Regierungszeit so weit kommen? Was tun?

Spezialkräfte sichern die Stadien

Die Staatschefin entschied sich vorläufig für eine zweischneidige Antwort. Einerseits schickt sie Spezialeinheiten in die sechs Städte, in denen bis Ende kommender Woche der Confederations Cup des Fußballverbandes Fifa ausgespielt wird. Es ist die bisher mäßig gelungene Generalprobe für die WM 2014.

Die Truppen der Força Nacional de Segurança Pública sollen die umstrittenen Stadien in Rio de Janeiro, Salvador, Fortaleza, Brasília, Recife und Belo Horizonte schützen, die bisher zuständigen Militärpolizisten (Polícia Militar) waren vor allem durch Brutalität aufgefallen. Andererseits lobte Dilma Rousseff "die Botschaft der Straße und die Ablehnung der Korruption". Das sei ein ureigener Wert der Demokratie, sprach sie im Regierungspalast Palácio do Planalto von Brasília. Die Mutter der Nation machte dabei ein weniger strenges Gesicht als sonst.

"Brasilien ist heute aufgewacht", sagte die erste Frau an der Spitze der Republik. Es war der Tag nach den landesweiten Protesten mit mindestens 240.000 Teilnehmern, so vielen, wie seit dem Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen Präsidenten Fernando Collor de Mello 1992 nicht mehr. Sie fand es "schön, so viele Jugendliche und Erwachsene zu sehen.

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