bedeckt München 20°

Ukrainischer Kletterer:Protest über den Dächern Moskaus

Mustang Wanted bemalte den Sowjetstern auf einem Moskauer Hochhaus in den ukrainischen Landesfarben. Arbeiter mussten die Schmiererei schnell wieder entfernen - dieser machte noch schnell ein Foto.

(Foto: AP)

Den Sowjetstern auf einem Hochhaus bemalt er in den Landesfarben der Ukraine - die Protestaktionen des jungen Mannes, der sich Mustang Wanted nennt, sind lebensgefährlich. Nun hat er erneut einen Gruß aus schwindelerregender Höhe geschickt.

Von Julian Hans, Moskau

Die Feiern waren vorbei, die Reden gehalten, die Paraden abgenommen, da kam am Sonntag kurz vor Mitternacht noch ein überraschender Gruß - ausgerechnet aus Moskau: "Gratulation zum Unabhängigkeitstag, Ukraine!" schrieb ein bekannter Extrem-Kletterer, der sich Mustang Wanted nennt. Das Bild dazu zeigt einen Mann im T-Shirt mit dem Wappen der Ukraine auf der Spitze der Lomonossow-Universität.

Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass Mustang Wanted den Russen aufs Dach steigt und von dort patriotische Grüße in seine Heimat schickt. Erst am Donnerstag hatte er sich dazu bekannt, den Stern über einem anderen Hochhaus aus der Gruppe der sogenannten Sieben Schwestern, die unter Stalin gebaut wurden, in den Nationalfarben der Ukraine angepinselt zu haben.

Fassadenarbeiter übermalten die Provokation eilig. Die vier Frauen und Männer, die die Polizei in der Nähe des Gebäudes mit Kletterausrüstung festgenommen hatte, könnten wieder freigelassen werden, schrieb Mustang auf Facebook und veröffentlichte ein Foto von sich auf dem bemalten Stern.

Er habe die Tat im "Überschwang patriotischer Gefühle" begangen. Da hatte die Moskauer Staatsanwaltschaft schon ein Verfahren wegen "Rowdytums" gegen die Gruppe eingeleitet, die beteuerte, sie hätte einen gemeinsamen Absprung mit Fallschirmen geplant.

Mustang ist ein Star der Skywalker-Szene und nicht nur wegen seiner waghalsigen Stunts umstritten. Auf älteren Fotos ist zu sehen, wie er auf dem Gipfel den rechten Arm in die Höhe reckt. Offenbar auch aus "patriotischem Überschwang".

© SZ vom 26.08.2014/anri

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite