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Protest gegen Sparprogramm:Ausschreitungen bei Großdemonstration in London

Das Vereinigte Königreich in Aufruhr: Das drastische Sparprogramm sorgt in weiten Teilen der Bevölkerung für Empörung - in London brach sich der Protest auch gewaltsam Bahn.

Hunderttausende Menschen sind an diesem Samstag in London gegen Sozialkürzungen und das Sparprogramm der britischen Regierung auf die Straße gegangen - während der Kundgebung kam es zu Ausschreitungen.

Gezeichnet vom Protest: Ein von Farbe getroffener Polizist in der Londoner Oxford Street.

Ein von Farbe getroffener Polizist in der Londoner Oxford Street.

(Foto: Reuters)

Viele Demonstranten waren mit Sonderbussen aus dem ganzen Land angereist. Der Gewerkschaftsverband TUC hatte angekündigt, dass die Demonstration die größte seit den Protesten gegen den Irak-Krieg 2003 werden solle und bis zu 100.000 Menschen daran teilnehmen. Nichtoffiziellen Zahlen zufolge waren sogar bis zu 250.000 Menschen auf der Straße, berichtete die Nachrichtenagentur PA. Rund 4500 Polizisten waren in London im Einsatz, um mögliche Gewaltausbrüche zu verhindern.

Einige Gruppen hatte Aktionen wie das Besetzen großer Geschäfte und Banken in der Innenstadt angekündigt. Unter den Demonstranten waren zahlreiche Studenten, Lehrer, Krankenschwestern und Angestellte aus dem Öffentlichen Dienst, die auf Plakaten und in TV-Interviews ihre Wut ausdrückten. Ein kleinerer Teil der Demonstranten attackierte Gebäude und Polizisten mit Farbe und versuchte, Scheiben einzuschlagen.

Nach einem friedlichen Protestmarsch zerstörten Randalierer in der Innenstadt die Fenster von Banken und Geschäften und besetzten ein Luxus-Kaufhaus. 75 Menschen wurden festgenommen, fünf Polizisten wurden verletzt.

Für den Nachmittag war eine Kundgebung im Hyde Park angesetzt, bei der unter anderem der Chef der sozialdemokratischen Labour Partei, Ed Miliband, sprechen sollte. Großbritannien kämpft gegen die Folgen der Wirtschaftskrise und versucht den Problemen mit einer Mischung aus höheren Steuern und Einsparungen zu Leibe zu rücken.

Zu Jahresbeginn war die Mehrwertsteuer auf 20 Prozent erhöht und den Kommunen ein Sparprogramm auferlegt worden. Am Mittwoch hatte Schatzkanzler George Osborne den Haushalt für das kommende Jahr vorgestellt und berichtet, dass die Gesamtverschuldung Großbritanniens 2011 bei 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen werde, 2012 bei 71 Prozent.

© dpa/AFP/odg/jab
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