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Präsidentschaftswahl in Iran:Machtvoller Protest auf dem Stimmzettel

Präsidentenwahl - Stimmabgabe Ruhani

Nach der  Stimmabgabe: Hassan Rohani siegesgewiss. 

(Foto: dpa)

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Iran grenzt an eine Sensation. Auch wenn noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind, ist klar: Die Menschen haben es satt, dass sich ihre Lebensbedingungen immer weiter verschlechtern. Mit der Wahl des moderaten Klerikers Hassan Rohani strafen sie das Regime auch für dessen aggressive Außenpolitik ab.

Noch sind nicht alle Stimmzettel ausgezählt, noch ist kein offizielles Ergebnis verkündet. Doch was sich abzeichnet bei der Präsidentenwahl in Iran grenzt angesichts der politischen Verhältnisse dort an eine Sensation.

Mit etwa der Hälfte der bislang ausgezählten 32 Millionen Stimmen liegt der moderate Kleriker Hassan Rohani nach offiziellen Zahlen des Innenministeriums eindeutig in Führung - er könnte bereits aus der ersten Runde als Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad hervorgehen, wenn er die absolute Mehrheit erreicht. Derzeit liegt er bei knapp 51 Prozent.

Abgeschlagener Zweiter in dem Rennen ist mit etwa 15,7 Prozent der Bürgermeister von Teheran, Mohammed Bagher-Kalibaf, ein konservativer Technokrat. Der Hardliner Said Dschalili, ein Vertrauter des Obersten Führers Ayatollah Ali Chamenei liegt mit gerade einmal 11,3 Prozent aussichtslos auf Platz vier, noch hinter dem früheren Chef der Revolutionsgarden, Mohsen Rezai.

Klare Botschaft

Diese Zahlen sind nicht so verlässlich, wie man das von Hochrechnungen bei Wahlen etwa in Deutschland gewohnt ist. Etwa 40 Millionen von 50,5 Millionen Wahlberechtigten dürften ihre Stimme abgegeben haben. Da können sich noch Verschiebungen ergeben, und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass das Regime noch an den Ergebnissen dreht, um eine Stichwahl am Freitag kommender Woche zu erzwingen.

Die Iraner haben nicht wirklich eine Wahl gehabt, aber sie haben sie dennoch genutzt. Ihre Botschaft an die Führung des Regimes ist klar: Die Menschen haben es satt, dass sich ihre Lebensbedingungen immer weiter verschlechtern. Sie sehen den Grund dafür nicht allein in der verfehlten Wirtschaftspolitik der Clique um den scheidenden Präsidenten Ahmadinedschad - dann hätten sie etwa auch Kalibaf an die Spitze setzen können. Sie sehen auch, dass die aggressive Außenpolitik, für die im Kandidatenfeld vor allem der Atomunterhändler Dschalili stand, dem Land und ihren ganz persönlichen Interessen schadet.