Polizeieinsätze bei Risikospielen "An öffentliche Sicherheit darf kein Preisschild gehängt werden"

Diese Sorge ist durchaus begründet. Erste Aufwallungen gibt es schon. So kündigte DFL-Präsident und DFB-Vize Reinhard Rauball am Dienstag postwendend an, er werde bei der Präsidiumssitzung des DFB an diesem Freitag den Antrag stellen, fortan keine Länderspiele mehr im Bremer Weserstadion auszutragen. Mehr noch, er will auch beantragen, das bereits nach Bremen vergebene EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am 14. November in eine andere Stadt zu verlegen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bekundete, er sei da "voll auf einer Linie". Die DFL gab zudem bekannt, sie werde gegen den Bremer Beschluss "alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen". Der Alleingang der Hansestadt sei "mit unseren verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar".

Schon Anfang des Monats wandten sich die Präsidenten von DFB, DFL und Deutschem Olympischen Sportbund in einem Protestbrief an Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und die Landesinnenminister. Sie forderten: "An öffentliche Sicherheit darf kein Preisschild gehängt werden."

Der kleine Stadtstaat ist hoch verschuldet

Die Bremer treibt indes die nackte Not. Der kleine Stadtstaat mit knapp 650 000 Einwohnern ist schon lange hoch verschuldet. Vor wenigen Tagen verhängte die Finanzsenatorin mal wieder eine Haushaltssperre. Allein in der Saison 2013/14 hat das klamme Land 1,4 Millionen Euro für die Polizeieinsätze bei Bundesliga-Spielen gezahlt. Das ist vor allem den rot-grünen Abgeordneten in der Bürgerschaft zu viel. Sie drängten den Senat bereits im vergangenen Dezember, alle möglichen Schritte zu prüfen, um die Veranstalter an den Kosten zu beteiligen. Ein halbes Jahr lang grübelten Juristen aus mehreren Behörden, nun glauben sie, einen Weg gefunden zu haben.

Die anderen Bundesländer wollen dem Bremer Vorbild derzeit jedoch nicht folgen. "Solange es keine bundeseinheitliche Regelung gibt, steht das nicht zur Diskussion", sagt Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD). Auch in Nordrhein-Westfalen sei "eine Beteiligung der Vereine kein Thema", heißt es aus dem Düsseldorfer Innenministerium. In dem Land mit den meisten Bundesligaklubs verwenden die dortigen Polizei-Hundertschaften inzwischen 30 Prozent ihrer Einsatzzeit auf die Sicherung von Fußballspielen. Bundesweit hat die Gewalt in und um die Stadien zuletzt stark zugenommen, besonders gegen Polizisten. Nach Zahlen der nordrhein-westfälischen Polizei wurden in der Saison 2012/13 bei Gewalttaten rund um Spiele der ersten und zweiten Liga 788 Menschen verletzt. 242 waren Polizisten.