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Reaktion auf Pegasus-Projekt:Élysée-Palast spricht von "sehr schwerwiegenden" Vorwürfen

Das Handy von Frankreichs Präsident Macron ist ins Visier einer Spähsoftware geraten.

(Foto: John Thys/AP)

Eine Telefonnummer des französischen Präsidenten Macron findet sich im Pegasus-Projekt-Leak. Jetzt hat die Regierung in Paris reagiert.

Die französische Regierung hat auf die Recherchen eines internationalen Recherchekonsortiums reagiert, denen zufolge das Handy von Präsident Emmanuel Macron ins Visier der Spähsoftware Pegasus geraten ist.

Aus dem Élysée-Palast hieß es am Dienstagabend auf Nachfrage: "Wenn die Vorwürfe sich als richtig erweisen sollten, wären sie sehr schwerwiegend." Die Enthüllungen der Journalistengruppe müssten vollständig aufgeklärt werden. "Wir werden das natürlich nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagte Gabriel Attal, der Élysée-Sprecher.

Offenbar wollte eine marokkanische Behörde den französischen Präsidenten im Jahr 2019 ausforschen. Eine der mindestens zwei Nummern, die Macron verwendet, tauchte Mitte 2019 auf einer Liste geleakter Telefon-Daten auf, die ein Netzwerk einsehen konnte, zu dem die Süddeutsche Zeitung, NDR, WDR und Die Zeit gehören.

Insgesamt finden sich im Leak des Pegasus-Projekts die Telefonnummern von 14 Staats- oder Regierungschefs, die während ihrer Amtszeit Opfer des Handy-Spions Pegasus geworden sein könnten.

Betroffen sind unter anderem der jemenitische Premierminister Ahmed Obeid bin Daghr, Saad Hariri aus Libanon, Ruhakana Rugunda aus Uganda, der algerische Premier Noureddine Bedoui, Mustafa Madbuli aus Ägypten, Premierminister Saad-Eddine El Othmani aus Marokko und Imran Khan, der Regierungschef Pakistans.

Die Pariser Non-Profit-Organisation Forbidden Stories und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bekamen Zugang zu den sensiblen Daten, die sie dann mit 18 Redaktionen aus zehn Ländern geteilt haben.

Es handelt sich den Recherchen zufolge um die Nummern potenzieller Ausspähziele, die von Kunden der israelischen Spionagefirma NSO Group ins Visier genommen wurden. Mit dem von NSO entwickelten und vertriebenen Trojaner namens Pegasus, einem digitalen Handy-Spion, lassen sich Mobiltelefone unbemerkt ausforschen und abhören.

Emmanuel Macron ist bekannt dafür, seine Mobiltelefone exzessiv zu nutzen, auch für Regierungsaktivitäten. In den Pegasus-Projekt-Daten findet sich nun eine Telefonnummer, die er nach Informationen des SZ-Partners Le Monde mindestens seit dem Jahr 2017 verwendet. Auch in den vergangenen Tagen war Macron auf dieser Nummer erreichbar.

Tatsächlich ist unklar, ob die Telefone der betroffenen Politiker jeweils tatsächlich mit der Spähsoftware infiziert wurden. Dieser Nachweis ließe sich nur durch eine forensische Untersuchung der Geräte führen, der bislang keiner der Politiker offiziell zugestimmt hat.

© SZ
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