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Patrouillenboote in Hoheitsgewässer:Inselstreit zwischen China und Japan verschärft sich

Der Streit zwischen China und Japan um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer dauert an: Erneut tauchten sechs chinesische Patrouillenschiffe in den Gewässern um die von Japan und China gleichermaßen beanspruchten Inseln auf.

Im Streit mit Japan über eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer lässt China die Muskeln spielen. Peking schickte sechs Patrouillenboote zu dem von beiden Ländern beanspruchten Archipel, wie Tokio und Peking mitteilten. Während die japanische Küstenwache von einem "beispiellosen Vorfall sprach", erklärte das chinesische Außenministerium, mit der Präsenz seine Interessen vor Ort verfolgen zu wollen.

Die Schiffe hätten die von Japan beanspruchten Hoheitsgewässer erreicht, teilte die Küstenwache in Japan am frühen Freitagmorgen mit. Die Boote seien aufgefordert worden, die Gewässer um die Inselgruppe zu verlassen. Zunächst seien zwei Patrouillenboote nahe des Archipels gesichtet worden, später seien vier weitere Schiffe gefolgt. Die ersten beiden Boote verließen die "japanischen Gewässer" demnach rund anderthalb Stunden nach ihrem Eintreffen wieder.

Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda erklärte, die Behörden würden "alles tun, um die Boote zu überwachen". Regierungssprecher Osamu Fujimura sprach von einem "beispiellosen Vorfall". Die Regierung bestellte den chinesischen Botschafter ein.

Die Inselgruppe, die in China Diaoyu und in Japan Senkaku heißt, liegt rund 200 Kilometer von Taiwan und rund 2000 Kilometer von Tokio entfernt. Vier der fünf Inseln sind bislang in japanischem Privatbesitz, eine gehört der Stadt Tokio. Die Inselgruppe ist von strategisch wichtiger Bedeutung, zudem werden auf dem Meeresboden Öl- und Gasvorkommen vermutet. China beansprucht das Gebiet ebenfalls.

Das chinesische Außenministerium sprach von "zwei Schiffsflotten", die das Gebiet rund um die Inseln erreicht hätten. Sie seien auf "Patrouille" und zu Zwecken der "Strafverfolgung" vor Ort, erklärte das Ministerium. Damit wolle China seinen "Kompetenzbereich demonstrieren und seine maritimen Interessen vor Ort schützen".

Die Boote unterstehen dem Ministerium für Staatsgebiet und Rohstoffe. Chinas Vorgehen ist eine Reaktion auf die Ankündigung Japans vom Montag, drei der unbewohnten Inseln von ihren japanischen Privatbesitzern zu kaufen. China hatte daraufhin am Dienstag angekündigt, Schiffe zu dem Archipel zu entsenden. Ziel sei es, die Souveränität des Landes sicherzustellen. Regierungschef Wen Jiabao erklärte, China werde von seinen Gebietsansprüchen nicht abrücken. Auch die taiwanische Küstenwache entsandte Boote, nach eigenen Angaben zum Schutz von Fischern aus Taiwan.

© Süddeutsche.de/dpa/afp/rela
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