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Papstbesuch in Tschechien:Mühselige Mission

Eiserner Durchhaltewillen: Bei seinem ersten Tschechienbesuch kämpft Papst Benedikt XVI. mit seiner Stimme - und mit dem schwachen Glauben seiner Gastgeber.

Seine Heiligkeit war heiser, das war nicht vorgesehen im Programm. Denn nichts zählt, wenn der Papst auf Reisen geht, so sehr wie die Predigten und Ansprachen, die er zu diesem Anlass hält. Benedikt XVI. rettete sich am ersten Tag seines dreitägigen Aufenthalts in Tschechien, mit eisernem Durchhaltewillen.

Mit rauher, hörbar angegriffener Stimme wandte er sich mal in Tschechisch, mal in Englisch, mal in Italienisch an seine Gastgeber und an die Bewohner des Landes, dem er an diesem Wochenende zum ersten Mal seine Aufwartung macht.

Es ist ein so genannter Pastoralbesuch, den der Papst aus Bayern von Samstag bis Montag bei den Nachbarn hinterm Böhmerwald abstattet. Die Katholiken in Tschechien erwarten von ihm Stärkung, wie der Prager Kardinal Miloslav Vlk im Vorfeld sagte. Denn in Tschechien sei der Glaube schwach und die Stellung der Kirche im Staat erbärmlich.

Tatsächlich bekennen sich nur etwa 3,5 der mehr als zehn Millionen Einwohner überhaupt zu einer Religionsgemeinschaft. Von ihnen gehören rund 2,7 Millionen der katholischen Kirche an, nur ein Teil von ihnen besucht regelmäßig einen Gottesdienst. Im Kommunismus wurden Gläubige und Priester hier härter verfolgt als in anderen Ostblock-Ländern.

Papst Benedikt XVI. erinnerte gleich bei seiner Ankunft am Mittag auf dem Flughafen Prag-Ruzyne daran, dass genau vor 20 Jahren die kommunistische Diktatur an ihr Ende kam. Weiter sagte er: "Jetzt, wo die religiöse Freiheit wiederhergestellt ist, rufe ich alle Bürger Tschechiens auf, die christlichen Traditionen wiederzuentdecken, die ihre Kultur geformt hat."

Der Papst gedachte besonders der beiden Prager Kardinäle Josef Beran und Frantisek Tomaceks, die trotz Verfolgung ebenso wie viele Priester und Gläubige die Flamme des Glaubens lebendig bewahrt hätten.

Als erste Station hatte Benedikt XVI. sich die Kirche Maria vom Siege auf der Kleinseite, Prags älteste Barockkirche, ausgesucht. Dort wird in einer Rokokovitrine auf einem Seitenaltar das "Prager Jesulein" gezeigt, eine berühmte Wachsfigur, die 1628 von einer böhmischen Adligen den hier ansässigen Karmelitern geschenkt wurde.

Die Figur wurde nach der Niederschlagung der protestantischen Aufstände zum Symbol der Gegenreformation und ist deshalb eher bei ausländischen Gästen beliebt als bei den Tschechen. Mit Mäntelchen und Samtkleidern haben Besucher es beschenkt, der Papst brachte eine kleine Goldkrone mit.

In seiner Ansprache in der Kirche machte er den Schutz der Kinder vor Gewalt und Ausnutzung zum Thema und sagte: "Wir bitten das Jesuskind um das Geschenk der Einheit und Harmonie für alle Familien."

Ein Klavierstuhl für den Musikliebhaber aus Rom

Am Nachmittag stand auf der Prager Burg die obligatorische Begegnung mit dem Staatspräsidenten Vaclav Klaus sowie dem Ministerpräsidenten Jan Fischer und anderen Politikern auf dem Programm.

Im spanischen Saal der Burg, wo die Spitzen der Gesellschaft und des Diplomatischen Corps versammelt waren, spielte die Tschechische Philharmonie dem Musikliebhaber aus Rom als kleine Delikatesse das "Tedeum" von Antonin Dvorak vor.

Klaus hatte dem Gast zuvor einen Klavierstuhl der berühmten tschechischen Firma Petrof geschenkt, wohl wissend, dass der Papst gelegentlich am Piano zu entspannen beliebt. Auch vor den Politikern und Diplomaten ging der Papst auf den Kollaps des Kommunismus vor 20 Jahren ein und sagte, die Wahrheit sei die Leitlinie für die Freiheit, und Güte sei die Perfektion der Freiheit.

Keine Fortschritte beim Konkordat

Die Probleme, die es zwischen Staat und Kirche in Tschechien gibt, spielten nur am Rande eine Rolle. Ministerpräsident Jan Fischer sagte am Nachmittag nach einem Gespräch mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, die lang umstrittene Vereinbarung über eine Rückgabe der im Kommunismus enteigneten Kirchengüter habe keine Eile. Die Kirche warte ab, bis die gegenwärtige Wirtschaftskrise überwunden sei.

Keinen Fortschritt gab es in der Frage eines Konkordats, das 2002 zwischen dem Vatikann und der Tschechischen Republik ausgehandelt worden war. Das Prager Parlament hatte 2003 eine Ratifikation abgelehnt, weil damit die Katholische Kirche gegenüber anderen Religionsgemeinschaften bevorzugt würde.