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Papst Benedikt XVI.:In Fragen von Glaube und Lebensführung hat er allerhöchste Autorität

Als Inhaber des munus docendi, eines Elements der potestas plena, kommt dem Papst in allen Fragen von Glaube und Lebensführung allerhöchste Autorität und unter bestimmten Bedingungen gar "Unfehlbarkeit" zu. Sein munus regendi bezieht sich auf die gesamte Kirche, und er nimmt in der Gesamtkirche Legislative, Judikative und Exekutive wahr. Die für moderne Rechtsstaaten grundlegende Gewaltenteilung kennt die römisch-katholische Kirche nicht.

'Das Wort zum Sonntag' mit Papst Benedikt XVI.

Der Papst sprach "Das Wort zum Sonntag". Doch wer sprach da eigentlich? Er hat viele Körper - und nur er entscheidet in jeder Situation darüber, in welcher Körpersprache er sich äußert und wie er wahrgenommen werden möchte.

(Foto: dapd)

Auch kann der Papst in seiner potestas immediata wie absoluta jederzeit seine Gewalt in allen Teilkirchen und ihren Verbänden ausüben. Zwar soll er stets der communio der Gesamtkirche und speziell des Bischofskollegiums gerecht werden. Aber ihm eignet gegenüber den Bischöfen eine Kompetenzkompetenz: Nur er entscheidet um der Gesamtkirche willen darüber, ob und inwieweit er sein Amt primär im kollegialen Konsens oder aber in entschiedener Alleinregierung wahrnehmen will.

Zwar lässt sich in manchen ekklesiologischen Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils viel Kollegialrhetorik beobachten. Aber das Kirchenrecht wurde damals nicht geändert und erlaubt auch eine harte päpstliche Alleinregierung. Bei Johannes Paul II. wie nun bei Benedikt lassen sich deutlich Tendenzen zu römischem Zentralismus und starker Betonung der amtscharismatischen Autorität des Papstes beobachten.

Der Inhaber des Petrusamtes hat auch weltliche Körper. Mit den Lateranverträgen, die 1929 von Kardinal Pietro Gasparri und Benito Mussolini unterzeichnet wurden, sollte laut Präambel "dem Heiligen Stuhl zur Sicherstellung völliger und sichtbarer Unabhängigkeit eine unstreitige Souveränität auch auf internationalem Gebiet verbürgt werden". So wurde durch Vertrag ein neuer Staat geschaffen, der Stato della Città del Vaticano. Auch als Oberhaupt dieses Staates ist der Papst absoluter Souverän, mit exklusiver Gesetzgebungsvollmacht, Recht auf Alleinregierung und eigener Jurisdiktionskompetenz.

Ob man den Vatikanstaat als Nachfolger des alten, bis 1870 bestehenden Kirchenstaates betrachten darf, wird kontrovers diskutiert. Im Institutionengefüge gibt es hohe Kontinuität, auch wenn der "Päpstliche Hof" seit 1968 nurmehr Pontificalis Domus, "päpstliches Haus", genannt wird, zu dem auch "Thronassistenten" gehören.

Viele Völkerrechtler sehen nicht nur im Heiligen Stuhl, bei dem die Botschafter akkreditiert werden, ein Völkerrechtssubjekt, sondern erkennen zunehmend auch dem "Staat der Vatikanstadt" eigene völkerrechtliche Subjektivität zu. Hatte man dort früher weithin italienisches Zivil- und Strafrecht übernommen, gibt sich der Vatikan seit einigen Jahren auch für alle möglichen Alltagskonflikte bis hin zur Drogenbekämpfung eigene Gesetze. Die Città del Vaticano ist mit einigen anderen kleinen Territorien in und um Rom ein eigener Staat, der einer ganzen Reihe von internationalen Organisationen angehört.

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