Panama Papers Islands Premier Gunnlaugsson kündigt Rücktritt an

Sigmundur Davíð Gunnlaugsson am Montag

(Foto: AFP)

Regierungskrise in Reykjavík: Die Panama Papers brachten die Offshore-Geschäfte von Islands Premier Gunnlaugsson ans Licht.

Der Druck wurde zu groß: Islands Premier Sigmundur Davíð Gunnlaugsson kündigt seinen Rücktritt an. Nachfolger soll Sigurður Ingi Jóhannsson werden, so Gunnlaugsson. Dieser ist derzeit Landwirtschaftsminister und stellvertretender Parteichef. Dem muss der Koalitionspartner zustimmen, die Unabhängigkeitspartei. Gunnlaugsson möchte trotz Rücktritt Parteivorsitzender bleiben.

Am Montagabend hatte es in Island eine Demonstration gegen den Premier gegeben. Sie war größer als die Proteste während der Finanzkrise - mehr dazu hier.

Im Fokus steht die Offshore-Firma Wintris, die in den Panama Papers auftaucht. Gunnlaugsson war als Anteilseigner dieser Firma eingetragen. Als er in einem Interview nach Wintris gefragt wurde, brach er das Gespräch ab. Gunnlaugsson stammt aus einer reichen Familie, und er hat eine reiche Frau geheiratet.

2007, als sie noch nicht verheiratet waren, haben sie sich gemeinsam als Eigentümer der Wintris Inc. eintragen lassen. Jedem gehörte eine Hälfte. Sie hielten die Firma geheim, auch als Gunnlaugsson im April 2009 ins Parlament gewählt wurde. Damals trat in Island eine neue Transparenz-Regelung für Abgeordnete in Kraft: Wer mehr als 25 Prozent an einer Firma hielt, musste sie melden. Doch von Wintris erfuhren die Isländer erst durch die Panama Papers. Das empörte viele Wähler.

Gunnlaugsson konnte 2013 die Wahl auch deswegen gewinnen, weil er versprach, sich auf die Seite der Isländer zu stellen, auf Kosten ausländischer Investoren, denen die Pleitebanken Geld schuldeten. Die Finanzkrise hatte Island besonders hart getroffen. Und die Panama Papers zeigen, dass Wintris Inc. Anteile an allen drei isländischen Pleite-Banken besessen hat.

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