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Rettungsschiff:Spanien bietet "Open Arms" Hafen auf Menorca an

Rettungsschiff "Open Arms" vor Lampedusa: Augenzeugen zufolge ist die Situation an Bord zuletzt immer angespannter geworden.

(Foto: AFP)
  • Die Menschen an Bord des vor Lampedusa im Meer liegenden Flüchtlingsschiffes Open Arms sind verzweifelt.
  • Nun bietet Spanien an, die mehr als hundert Migranten an Land zu lassen, in Algeciras oder auch auf einer Baleareninsel.
  • Italien, vor dessen Küste das Schiff liegt, weigert sich, die Menschen an Land zu lassen.

Die spanische Regierung bietet dem spanischen Rettungsschiff Open Arms an, auf Menorca zu landen. Das berichtet die Zeitung El País in seiner Online-Ausgabe. Am Sonntag hatte Ministerpräsident Pedro Sánchez dem vor der italienischen Insel Lampedusa liegenden Schiff zunächst Algeciras in Andalusien als sicheren Hafen angeboten.

Jedoch würde die etwa 1800 Kilometer lange Fahrt erneut mehrere Tage auf hoher See für die mehr als 100 erschöpften Migranten bedeuten. Diese befinden sich seit zweieinhalb Wochen auf See. Die Option, nach Algeciras zu fahren, sei "höchst unwahrscheinlich", sagte ein Sprecher der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms der Nachrichtenagentur dpa.

Am Abend bot Sánchez dem Flüchtlingsschiff daraufhin an, den "nächstgelegenen" spanischen Hafen Mahón auf Menorca anzusteuern, wie El País berichtet. Der Mallorca Zeitung zufolge ist auch Mallorca im Gespräch.

Kapitän Marc Reig reagierte auf das Angebot ebenfalls kritisch. Die Lage an Bord sei verzweifelt, man müsse die Menschen im nächstgelegenen Hafen an Land lassen, und das sei das 800 Meter entfernte Lampedusa. Allenfalls müssten sie dort zunächst versorgt und dann auf ein geeignetes Schiff gebracht werden, um damit Menorca anzusteuern. Die Baleareninsel Menorca ist gut 900 Kilometer von Lampedusa entfernt.

Italiens Transportminister Danilo Toninello (Fünf Sterne) habe der Open Arms in Aussicht gestellt, dass ein italienisches Schiff sie nach Menorca begleite und nötige Unterstützung biete, berichtete die italienische Zeitung La Repubblica.

Die Lage auf der Open Arms war am Sonntag eskaliert. Verzweifelte Migranten sprangen ins Meer - offenbar um zu versuchen, Lampedusa schwimmend zu erreichen. Auf einem auf Twitter veröffentlichten Video war zu sehen, wie Helfer versuchten, die Migranten aufzuhalten. Sie brachten sie schließlich wieder zurück auf das Schiff. "Wir haben seit Tagen davor gewarnt, die Verzweiflung hat Grenzen", schrieb Proactiva-Gründer Oscar Camps. Das spanische Fernsehen zeigte Bilder von Menschen an Bord, die Weinkrämpfe erlitten, andere reagierten wütend. Die Crew versuchte, die Menschen zu beruhigen.

Salvini twittert: "Wer hart bleibt, gewinnt"

Der italienische Innenminister Matteo Salvini verweigert dem Rettungsschiff das Anlegen in einem italienischen Hafen. Die Regierung in Madrid kritisierte Salvini wegen dessen unerbittlicher Haltung scharf und sprach in einer Mitteilung von einer "unfassbaren Reaktion" des rechten Politikers. Salvini entgegnete auf Twitter: "Wer hart bleibt, gewinnt."

Obwohl ein Verwaltungsgericht in Rom dem Schiff die Einfahrt in die Territorialgewässer Italiens erlaubt hatte und es seit Donnerstag nur wenige hundert Meter vor Lampedusa liegt, dürfen die 107 Migranten weiterhin nicht von Bord. Salvini hatte am Samstag aber nach wochenlangem Tauziehen 27 unbegleiteten Jugendlichen erlaubt, das Schiff zu verlassen und an Land zu kommen. "Gegen meinen Willen", wie der Politiker mitteilte - und auch nur, weil Ministerpräsident Giuseppe Conte ihn zu dem Schritt aufgefordert habe.

Unter dem Applaus der Crew und der Migranten waren die Minderjährigen von der Küstenwache abgeholt worden. Jedoch wurden die verbleibenden Passagiere anschließend offenbar wieder von Verzweiflung und Resignation übermannt. Einige Migranten hatten Augenzeugen zufolge schon seit Tagen damit gedroht, Suizid zu begehen oder über Bord zu springen.

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