Österreich Woher die Stimmen für die Rechtspopulisten kommen

Mit dem Slogan "Österreich zuerst" siegte FPÖ-Mann Norbert Hofer in der ersten Runde der Bundespräsidentenwahl. Wer ihn gewählt hat - und warum.

Analyse von Benedikt Peters und Markus C. Schulte von Drach

Wenn Norbert Hofer am 22. Mai in die Stichwahl um das Bundespräsidentenamt in Österreich geht, sollte er ein Stoßgebet an den frustrierten, jungen, ungebildeten Mann schicken. Vor allem diesem, so zeigen es Wahlanalysen des Meinungsforschungsinstituts Sora, hat der Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ seinen haushohen Sieg im ersten Wahlgang zu verdanken.

Mit 36,4 Prozent landete Hofer mit großem Abstand auf Platz eins vor dem Grünen Alexander Van der Bellen, mit dem er sich am 22. Mai in der Stichwahl duelliert. Die Kandidaten der Regierungsparteien, Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) scheiterten klar, ebenso wie der in Eigenregie antretende Bauunternehmer Richard Lugner. Achtbar schlug sich lediglich die drittplatzierte Unabhängige Irmgard Griss.

Hofer machte mit Sätzen wie "Österreich zuerst" und "Der Islam gehört nicht zu Österreich" Wahlkampf und erreichte damit vor allem die kleinen Leute. 72 Prozent der Arbeiter gaben dem Rechtspopulisten ihre Stimme, während die österreichischen Sozialdemokraten in ihrem klassischen Milieu auf gerade einmal zehn Prozent kamen. Auch bei den Angestellten und bei den Rentnern erzielte er gute Ergebnisse.

Noch bessere Chancen hatte der Rechtspopulist bei ungebildeten, jungen Männern. Während nicht einmal ein Viertel der Frauen unter 30 ihr Kreuz bei dem Rechtspopulisten machten, taten es mehr als die Hälfte der Männer in diesem Alter. Überhaupt: Die österreichischen Männer wählten zu wesentlich größeren Anteilen FPÖ.

Hohe Stimmenanteile hatte Hofer bei denjenigen Wählern, die über den Pflichtschulabschluss nicht hinausgekommen sind. 43 Prozent von ihnen wählten FPÖ, bei Abiturienten und Universitätsabsolventen waren es wesentlich weniger.

Hofer war auch deswegen so erfolgreich, weil es ihm gelang, das eigene Lager zu großen Teilen zu mobilisieren. 86 Prozent (in Zahlen 824 000) der Österreicher, die schon bei der Nationalratswahl 2013 FPÖ wählten, taten es nun bei der Bundespräsidentenwahl erneut. Einen großen Batzen konnte der Rechtspopulist außerdem den Regierungsparteien abgraben: 266 000 seiner Wähler kamen von der ÖVP, 169 000 von der SPÖ. Vom "Team Stronach", einer wirtschaftsliberalen und europaskeptischen Partei, wanderten 122 000 Wähler zur FPÖ, aus dem Lager der Nichtwähler 49 000.

Gefragt wurden die FPÖ-Wähler auch nach ihrem Gefühlszustand. Zu großen Teilen geben sie an, sie seien verärgert und mit der Entwicklung Österreichs unzufrieden. Hofer sei einer, der die Sorgen von Menschen wie ihnen verstehe. Ob er als Bundespräsident moralisch integer sei, bei innenpolitischen Konflikten vermitteln oder Österreich im Ausland gut vertreten könne, interessierte sie weniger.

Der Grüne Alexander Van der Bellen ist ein Gegenentwurf auf der ganzen Linie. Seine klassische Wählerin ist eine Frau zwischen 30 und 59 mit Abitur oder gar Universitätsabschluss. Sie hebt seine Kompetenz und politische Erfahrung hervor und traut ihm zu, Österreich im Ausland gut zu vertreten. Und: Sie hält ihn für ein moralisches Vorbild.