Österreich:Was kommt nach dem Skifahren?

Österreich: Durch die warmen Temperaturen gab es in etlichen Skigebieten viel Wiese zu sehen.

Durch die warmen Temperaturen gab es in etlichen Skigebieten viel Wiese zu sehen.

(Foto: IMAGO/Steve Bauerschmidt)

Skigebiete ohne Schnee: Österreichs Tourismus muss sich einer unangenehmen, aber unausweichlichen Frage stellen.

Von Valentina Reese

In Österreich gehen an diesem Wochenende die Semesterferien in Oberösterreich und der Steiermark zu Ende. In meiner Kindheit nannte man diese Ferien ja noch Energieferien. Ich dachte immer, das komme daher, dass die Menschen Energie tanken oder energetische Sportarten ausüben sollen.

Dabei haben die Ferien ihren Namen verpasst bekommen, als sie vor 50 Jahren eingeführt wurden. Die SPÖ-Regierung unter Bruno Kreisky wollte damals in der Ölpreiskrise beim Heizen in den Schulgebäuden sparen - und erfand: die Energieferien. Inoffiziell war es in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit aber auch eine "Maßnahme für den österreichischen Tourismus", wie Historiker Oliver Rathkolb erklärt.

Und das sind sie bis heute geblieben. Allerdings brachte das Skifahren in diesem Februar nicht immer Freude. In etlichen Skigebieten surfte man im Kunstschnee bei deutlichen Plusgraden die Hänge hinab.

Für die Skifahrerinnen und Snowboarder ist das ärgerlich. Obwohl es an diesem Freitag wieder einen Wintereinbruch im Südwesten gab (die Brennerautobahn musste sogar gesperrt werden) und der Skitourismus insgesamt noch ganz gut dasteht, stellt sich die Frage: Wie will der Tourismus in Österreich dem voranschreitenden Klimawandel begegnen?

Einige Skigebiete werden diese Saison früher beenden, bei anderen ist noch fraglich, ob sie bis Ostern die Lifte laufen lassen. Im Tiroler Brixental setzen die Touristiker schon auf ein Kombiangebot: Skifahren am Vormittag, Golfen im Tal am Nachmittag, wenn aus dem Schnee auf dem Berg Gatsch geworden ist. Das mag eine nette Idee für zahlungskräftige Gäste sein. Aber wer an der Talstation steht und den schmalen Pistenstreifen zwischen den grün-braunen Wiesen sieht, wird enttäuscht sein.

Fraglich ist auch, ob Kunststoffmatten, die etwa in Oberaudorf in Bayern statt Schnee auf die Hänge gelegt werden, künftig die Massen anlocken werden.

Im flachen Burgenland, wo ich aufgewachsen bin, ist dieser Tage kein Neuschnee angesagt; wie vielerorts in Österreich verkünden die Wetterprognosen Temperaturen wie im Frühling.

Der Besuchermagnet meiner Heimat ist der Neusiedler See. Er verliert wegen des Klimawandels an Wasser. Gerade wurden neun Grad Wassertemperatur gemessen, ein ungewöhnlich hoher Wert für Februar. Im Sommer sind die Wasserstände so niedrig, dass sie wiederum Tourismus und Landwirtschaft bedrohen.

Die Burgenländer glauben bereits, eine Lösung gefunden zu haben. Eine Lösung, die allerdings sehr umstritten ist: Wasser aus der Donau soll es richten. Vielleicht ließen sich die nächsten Energieferien dazu nutzen, um intensiv über einen klugen Ausweg nachzudenken.

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