Österreich: Korruptionsverdacht:Spekulationen über Spekulationen

Ein Boulevardblatt schreibt über den Haider-Freund Saif el Gaddafi, dessen junge Begleiterin unter mysteriösen Umständen vom Balkon des Gaddafi-Anwesens in Wien stürzte und sich schwer verletzte. Der Diktatoren-Spross floh ohne Vernehmung nach London, konnte aber bald zurück nach Österreich: Ermittlungen eingestellt, der Ablauf sei nicht aufklärbar.

Spekulationen über die Liechtenstein-Millionen von Jörg Haider

Jörg Haider und Saif el Gaddafi, der Sohn des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi, bei einem gemeinsamen Auftritt in Wien.

(Foto: dpa)

Immer mehr Indizien tragen Österreichs Journalisten über die Regierungsjahre von Haiders Parteien FPÖ und BZÖ zusammen. So soll bei den Privatisierungen von bundeseigenen Wohnungen das Personal aus Haiders Entourage kräftig Kasse gemacht haben. Die Protagonisten erklären Haider zum großen Strippenzieher. Aber es gilt auch die Erkenntnis: Auf Tote lassen sich unangenehme Dinge prima abschieben.

"Noch ist das alles Kaffeesatzleserei", kommentiert einer, der mit Haider von Amts wegen zusammengearbeitet hat, die Berichte. Der leitende Beamte will seinen Namen in keinem Medium lesen, aber einiges zur Sache will er schon loswerden. Er klagt vor allem über die Begleiter des Politikers: "Der Haider war in Ordnung, aber die Buberlpartie, die um ihn herumhing, leider nicht."

"Schweinejournalismus" oder investigative Recherche

An einen Unfall Haiders glaubt er nicht. Seine Theorie: "Da drohte ihm jemand mit einer Enthüllung, da wusste er nicht mehr aus. Das war Suizid." Und dann plaudert der Herr Doktor darüber, wie nett es gewesen sei, mit dem Jörg zusammenzusitzen, so wie fast jeder Einheimische eine eigene Anekdote erzählen kann. Vom Landesvater, der so fesch und mutig und cool war. Der überraschend immer und überall auftauchen konnte. Der notorisch umarmte und Hände schüttelte.

Für Haiders Zöglinge sind die vielen Berichte über Affären, Korruption und Selbstbedienung ohnehin ein klarer Fall von "Schweinejournalismus" und Diffamierung Verstorbener. Ein BZÖ-Funktionär, der auch gerne mal im Jackett des Verstorbenen auftritt, sah sich sogar an das antisemitische Nazi-Hetzblatt Der Stürmer erinnert.

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