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Obama im Nahen Osten:Aussöhnung mit Muslimen

Der US-Präsident auf Sympathietour: Bei seiner ersten Nahost-Reise will Obama eine Wende im Verhältnis zur islamischen Welt einleiten.

US-Präsident Barack Obama hat seine mit Spannung erwartete erste Nahost-Reise am Mittwoch mit einem Besuch in Saudi-Arabien begonnen. Als Höhepunkt der Reise wird Obama an diesem Donnerstag in Kairo eine Rede halten, mit der er Amerikas Verhältnis zur muslimischen Welt erneuern will. Israel wird der US-Präsident dagegen nicht besuchen.

"Herzlich willkommen, Herr Präsident", titelten die meisten saudischen Tageszeitungen am Mittwoch, und betont freundlich empfing auch König Abdullah (rechts) Barack Obama in Riad, der ersten Station seiner Nahost-Reise. Obama bedankte sich dafür mit "Schukran", dem arabischen Wort für Danke.

(Foto: Foto: AFP)

In einem Interview mit dem britischen Sender BBC sagte Obama unmittelbar vor dem Abflug in Washington, Ziel seiner Reise sei es, "einander mehr zuzuhören". Er wolle Missverständnisse überwinden und den Nahost-Friedensprozess wiederbeleben. Abgesehen von einem kurzen Stopp im Irak im April ist es die erste Nahost-Reise Obamas seit seiner Wahl zum Präsidenten.

Saudi-Arabien und Ägypten sollen als arabische Vormächte eine Schlüsselrolle spielen in Obamas Bemühen, eine neue US-Politik für den gesamten Nahen und Mittleren Osten zu entwerfen. Nach der achtjährigen Präsidentschaft von George W. Bush und dem infolge des 11. September 2001 begonnenen "Krieg gegen den Terror" mit den Waffengängen im Irak und Afghanistan sind Anti-Amerikanismus und radikaler Islam in der arabischen und islamischen Welt stärker denn je.

Mit seiner einstündigen Ansprache an der Kairo-Universität will Obama nun eine Wende einleiten und die Aussöhnung mit der Region suchen. Im Zentrum werden dabei eine Lösung des Palästina-Konflikts und der Streit um das iranische Atomprogramm stehen. Obama will sich aber nicht nur an die arabische, sondern an die gesamte islamische Welt wenden. Im dem BBC-Gespräch dämpfte er jedoch zu hohe Erwartungen: "Es gibt sehr schwierige politische Probleme, die gelöst werden müssen. Am Ende geht es nicht um Worte, sondern um Taten, die über den Weg und die Fortschritte auf diesem Weg entscheiden."

Obama wiederholt Forderung nach Siedlungsstopp

Unmittelbar vor seiner Abreise sprach Obama in Washington auch noch mit dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak. Dabei wiederholte er seine Forderung nach einem Siedlungsstopp im Westjordanland, um ernsthafte Friedensgespräche zu ermöglichen. Die israelische Regierung hat dies als "unrealistisch" zurückgewiesen. Unterdessen betonte Israels Außenminister Avigdor Lieberman, sein Land wolle das Problem des iranischen Atomprogramms nicht allein lösen. Damit wies Lieberman Spekulationen über einen möglichen Militärschlag Israels gegen die iranischen Atomanlagen zurück.

In Riad sprach Obama mit dem saudischen König Abdullah. Obama sagte, er sei in das Land gekommen, "von dem der Islam seinen Ausgang nahm". Zentrales Gesprächsthema war auch hier der Nahost-Konflikt. Abdullah hatte 2002 einen in der arabischen Welt akzeptierten Plan zur Lösung des Palästina-Problems vorgelegt, der von Israel verlangt, die 1967 besetzten Gebiete einschließlich Ostjerusalems zu räumen.

Bin Laden droht

Im Gegenzug wird Israel eine Normalisierung des Verhältnisses zur arabischen Welt angeboten. Israel lehnt diesen Plan in seiner bisherigen Form ab. Washington dürfte daher auch Zugeständnisse von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak und dem saudischen König in der Palästinenserfrage erbitten, um den Friedensprozess von arabischer Seite wieder zu beleben.

Etwa zeitgleich mit der Landung der amerikanischen Präsidentenmaschine in Riad meldete sich der Chef des Terror-Netzwerks al-Qaida, Osama bin Laden, in einer Botschaft an den Nachrichtensender al-Dschasira zu Wort. Darin warf er Obama vor, doch nur der Politik seines Vorgängers zu folgen.

Direkt nach seinem Besuch in Kairo wird Obama in Deutschland erwartet, wo er am Freitag in Dresden Kanzlerin Angela Merkel trifft.